Meyer-Werft sichert Standort „Das ist ein historischer Vertrag“

Von Hans Brinkmann | 15.01.2015, 21:34 Uhr

IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken frohlockte. „Wenn uns der Himmel nicht auf die Köpfe fällt, ist der Standort Papenburg nun langfristig gesichert“, meinte der Gewerkschaftsvertreter, als am Donnerstagabend im Wirtschaftsministerium in Hannover der Standortsicherungsvertrag für die Meyer-Werft unterzeichnet wurde.

Auch die anderen Beteiligten äußerten sich hocherfreut über die Vereinbarung, edie in dieser Form ihresgleichen sucht. So schwärmte etwa Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD): „Das ist ein Meilenstein für die Absicherung der Beschäftigung und ein guter Tag für die ganze Region“.

Der Minister verwies auf die 3 100 Arbeitsplätze unmittelbar auf der Werft und auf die vielen Tausend zusätzlichen Stellen in der Zulieferindustrie, für die es nun eine langfristige Perspektive gebe.

„Der Werftstandort Papenburg ist für das Land Niedersachsen von herausragender Bedeutung, er ist ein Leuchtturm im internationalen Schiffbau“, unterstrich Lies. Deswegen habe sich das Land auch verpflichtet, alle Entwicklungen zu fördern, die diesen Standort stärkten.

Dazu gehört nach Darstellung des SPD-Politikers, die Ems als voll funktionstüchtige Bundeswasserstraße zu erhalten und so die Ablieferung der riesigen Schiffsn eubauten von nPapenburg zur Nordsee zu garantieren. Gleichzeitig gelte es, dies in Einklang zu bringen mit denj Anforderungen an ein gesundes und dynamisches Ökosystem Ems. Dafür, so Lies, werde das Land Niedersachsen über den vereinbarten „Masterplan Ems 2050“ in den nächsten Jahrzehnten erhebliche Landesmittel aufwenden.

„Der Standort Papenburg hat für mich nie in Frage gestanden“, beteuerte Werftchef Bernard Meyer, dessen Unternehmen seit 1795 in der Kanalstadt ansässig ist und sich zu einem Weltmarktführer im Bau von Kreuzfahrtschiffen entwickelt hat. Die Grundlage für eine langfristige Beschäftigungssicherung bildeten allerdings Schiffbauaufträge – und dafür wiederuzm sei unabdingbare Voraussetzungen die Wettbewerbsfähigkeit der Werft durch eine hohe Produktivität und die richtigen Rahmenbedingungen. Dies solle durch den Standortsicherungsvertrag gewährleistet werden.

„Strategisch richtig“

Meyer rechtfertigte ausdrücklich den Erwerb der STX-Werft in Finnland als „strategisch absolut richtige Entscheidung“. Dadurch gewinne man nicht nur Know how dazu, sondern könne auch die Produktpalette sinnvoll erweitern – etwa um den Fährschiffmarkt. Der Unternehmer ging sogar soweit zu behaupten, dass ohne die Übernahme der finnischen Werft der Standort Papenburg nicht dauerhaft zu sichern gewesen wäre.

Meyer räumte ein, dass die jetzt getroffene Vereinbarung letztendlich nur dann umsetzbar sei, wenn auch künftig entsprechende Aufträge hereingeholt werden könnten. Aktuell sei der Betrieb in Papenburg bis 2019 durch acht Kreuzfahrtschiffe ausgelastet; dies könne sich durch Optionen bis 2020 ausweiten. Meyer äußerte sich überzeugt, dass es darüber hinaus gute Chance für weitere Aufträge gebe, wenn gesichert sei, dass der Standort wirtschaftlich betrieben werde, die Ablieferung der Schiffe kein Problem bereite und „Ruhe vor Ort“ einkehre.

Für den Fall, dass die Rahmenbedingungen sich jedoch negativ entwickeln sollten, „behält sich die Meyaer-Werft eine flexible Reaktion vor“, heißt es in der jetzt unterzeichneten Vereinbarung.

Die Hoffnung, dass es dazu nicht kommen muss, formulierten neben dem Werftchef und dem niedersächsischen Wirtschaftsminister auch die Vertreter der Gewerkschaft IG Metall und des Betriebsrates.

„Das ist ein historischer Vertrag, über den wir sehr froh sind“, verkündete der Vorsitzende des Meyer.-Betribsrates, Thomas Gelder. Er nannte es „ganz schön mutig“ seitens der Werft, sich gleich für 15 Jahre zu binden. Es gebe nun die Gewissheit, dass der Kauf der Werft in Turku nicht zu einer Schwächung des Standortes in Papenburg führe. Gelder sprach zugleich von einem „guten Zeichen für die maritime Industrie insgesamt“.

SAuch der Leitzer cdes IG-M;etall-Betzirks Leer-Papenburg, Meinhard Geiken, begrüßte, dass die Neuausrichtung mit dem Erwerb einer zusätzlichen Wwerft in Finnland nicht zu Lasten der Beschäftigten in Papenburg gehe. Er bezeichnete die Vereinbarung als „einmalig“.

Geiken würdigte zudem, dass die Meyer-Werft sich in dem Vertrag bereit erklärt habe, auch den Tarifvertrag für Werkvertrags-Berschäftigte zu verlängern