Kommentar Einzelhandel im Krisenmodus: Es geht ans Eingemachte

Meinung – Corinna Clara Röttker | 03.12.2021, 06:00 Uhr

Lieferengpässe, Corona, 2G und nun zündet selbst das Weihnachtsgeschäft nicht richtig: Der stationäre Handel steckt in einer tiefen Krise. Doch die Verwundbarkeit ist auch selbstverschuldet. Ein Kommentar.

Eigentlich beginnt für den Einzelhandel gerade die beste Zeit des Jahres, denn zu Weihnachten klingeln stets die Kassen. Doch in diesem Jahr ist das mitnichten so. Der Auftakt war schlecht. Der stationäre Handel war ohnehin angeschlagen, jetzt droht vielen Geschäften aufgrund von Lieferengpässen und 2G-Zugangsbeschränkungen erst Recht das Aus.

Erschwerend hinzu kommen die steigenden Preise: Energie, Transport und Co. fressen das ohnehin ausgedünnte finanzielle Polster endgültig auf. Und wer im Gegenzug seine Preise erhöht, muss befürchten, dass auch noch die letzten Kunden ins Internet abwandern. Der Handelt steckt in einer Abwärtsspirale, die immer schneller dreht: Je verödeter die Innenstädte, desto attraktiver wird Online-Shopping - und desto größer wird der Druck auf die verbliebenen Läden.

Klar ist aber auch: Die Branche ist auch deshalb so verwundbar, weil sie sich in der Vergangenheit dem seit Jahren abzeichnenden Wandel verweigert hat. Die Wege aus der Krise sind Konsumforschern längst bekannt: Kunden wollen ein vielfältiges Angebot, nicht immer die gleichen Ketten, zugleich soll der Shoppingtrip in die Innenstadt zum Erlebnis werden, da braucht es zusätzliche Attraktionen. Zudem braucht es die Verknüpfung von Onlinebestellungen mit dem Geschäft vor Ort.

Keine Frage, wenn man erst einmal in der Krise steckt und ums Überleben kämpft, ist es sehr schwer, neue Geschäftsmöglichkeiten aufzubauen. Doch wer den Wandel des Handels verkennt, der hat so oder so keine Chance.