Konzern legt Zahlen vor Tönnies schlachtet 20,4 Millionen Schweine weltweit

Von Dirk Fisser | 15.03.2017, 16:26 Uhr

Tönnies wird keine vegetarischen Produkte auf den Markt bringen. Das sagte Konzernchef Clemens Tönnies am Mittwoch bei der Präsentation der Zahlen für das Jahr 2016. Im Fleischbereich bleibt der Konzern indes unangefochtener Marktführer in Deutschland. Aber Tönnies warnt: „Die Zeit überdimensionalen Wachstums ist vorbei.“

Mit 6,35 Milliarden Euro Umsatz verzeichnete die Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben folglich auch nur ein leichtes Plus von 0,8 Prozent – eingerechnet ist hier bereits die Übernahme der Tican-Gruppe in Dänemark. Deutschland bleibe zwar wichtigster Absatzmarkt, so Tönnies. Für die Zukunft gelte aber: „Wir müssen die Internationalisierung vorantreiben.“ Dazu zählte er Aktivitäten in Spanien oder Russland, wo er bald mit dem Bau eines Fleischwerks beginnen will. Schon jetzt geht die Hälfte der von Tönnies in Deutschland produzierten Fleischmenge ins Ausland. (Weiterlesen: Die Ergebnisse im Jahr 2016)

Probleme in China

Neuerwerbung Tican soll unter anderem dabei helfen, die Position in Asien zu stärken. Hier hat Tönnies selbst derzeit Probleme. Die Chinesen haben die Werke in Rheda-Wiedenbrück und Weißenfels vor einigen Wochen mit einem Exportbann belegt. Kein Tönnies-Schweinefleisch kommt derzeit auf den chinesischen Markt – der wichtigste Exportmarkt für Deutschland in diesem Sektor. Der Firmenchef zeigte sich aber optimistisch, dass der Zugang bald wieder gegeben sei. „In ein bis zwei Wochen“, so Tönnies, der am Mittwoch keine Angaben zum Ertrag seines Unternehmens im abgelaufenen Geschäftsjahr machte.

Deutlich vor der Konkurrenz

Klar aber ist so viel: Die Zahl der Schweineschlachtungen stieg konzernübergreifend um 400.000 auf 20,4 Millionen Tiere. Davon entfielen 16,2 Millionen auf Deutschland. Damit ist und bleibt Tönnies hierzulande die unangefochtene Nummer eins im Schweinesektor. Laut Interessengemeinschaft der Schweinehalter schlachtete Konkurrent Vion vergangenes Jahr 8,6 Millionen Tiere, gefolgt von dem Drittplatzierten Westfleisch mit acht Millionen Tieren.20,4 Millionen Schweine sind in den Schlachthöfen der Unternehmensgruppe im vergangenen Jahr getötet worden. Foto: dpa

Hinzu kommen 424.000 Rinder. Für diesen Geschäftszweig hatte Tönnies vergangenes Jahr noch angekündigt, einen vollkommen neuen Schlachthof bauen zu wollen. Die Pläne sind zwar in der Schublade, allerdings beobachte man vorläufig, wie sich der Markt weiterentwickle. Erst einmal seien im vergangenen Jahr die vorhandenen Standorte wie der Schlachthof in Wilhelmshaven gestärkt worden. (Weiterlesen: Tönnies-Rinderschlachthof kommt nicht nach Sögel)

Vegetarisch? Nicht von Tönnies

Gar keine Aktivitäten wird Tönnies indes bei vegetarischen Produkten entwickeln. Geflügel-Konkurrent Wiesenhof oder aber der Wurstfabrikant Rügenwalder Mühle sind in diesem Sektor unterwegs. Die Konkurrenz habe die Nische besetzt, so Tönnies. Der Markt sei seiner Einschätzung nach bereits wieder rückläufig. Ein Investment lohnt sich für den Fleischmarktführer also nicht. (Weiterlesen: Vegetarische Wurst für Flexitarier)

Sehr wohl investiert der Konzern aber in eine umweltfreundlichere Schlachtung. An den Standorten Rheda und Sögel hat das Unternehmen acht beziehungsweise vier Millionen Euro in die Eigenstromproduktion durch Blockheizkraftwerke investiert. Auch in diesem Jahr soll in die Modernisierung der Betriebsstätten investiert werden. Für Sögel nannte Tönnies etwa Investitionen im Kühlbereich.