Kommentar zur Gerry-Weber-Jahresbilanz Gerry Webers Modernisierung: Heikle Mission

Meinung – Christian Schaudwet, Christian Schaudwet | 23.02.2017, 21:15 Uhr

Der Modekonzern Gerry Weber versucht, seine Altlasten aufzuarbeiten. Das ist mühsam, zumal in einem schwierigen Marktumfeld. Der Erfolg der Mission ist ungewiss.

Frischer, moderner, wertiger und vielleicht ein bisschen jünger soll die angestaubte Marke Gerry Weber werden. Dieses strategische Ziel hat der westfälische Modekonzern sich schon vor einem Jahr gesetzt, und die ersten Schritte dorthin sind gegangen.

Aber hat’s geholfen? Der Weg ist noch weit: Eine Modemarke vom Image des Altbackenen zu befreien und sie wieder überraschend, aufregend und begehrt zu machen, ist äußerst schwierig. Es kann zu einem mühsamen und teuren Unterfangen werden – und am Ende doch scheitern, wie es manchem in der deutschen Modebranche widerfahren ist.

Nicht nur Image und Kollektion sollen bei Gerry Weber die Wende bringen, sondern auch das Internet. Hier legt sich der Konzern für seine Marken ins Zeug, baut einen neuen, moderneren Online-Shop, in dem Kundinnen das gesamte Sortiment finden und bequem per Smartphone bestellen können. Digitales und Stationäres sollen sich ergänzen, indem Käuferinnen online bestellte Ware in Filialen abholen können. Schön und gut, aber im Online-Geschäft ist Gerry Weber ein Zwerg. Amazon und Zalando, bei denen auch die Westfalen Ware verkaufen, lassen wenig Raum für Internet-Handel unter eigener Regie.

Immerhin: Gerry Weber hat seine Probleme erkannt, ist noch handlungsfähig und arbeitet an Lösungen.