Kommentar zum Kastenstandurteil Die Rechte der Sau

Meinung – Dirk Fisser | 13.02.2017, 06:02 Uhr

Sauenhalter in Sorge: Ein höchstrichterliches Urteil könnte sie zum Umbau ihrer Ställe zwingen - oder zur Aufgabe der Sauenhaltung. Ein Kommentar.

Was dürfen wir Tieren zumuten, um unseren Fleischhunger zu stillen? Weil die Maßstäbe sich wandeln, ändert sich auch die Antwort auf diese Frage: Neben die rein profitfokussierte Sichtweise tritt mit zunehmender Vehemenz der Gedanke des Tierwohls. Und das führt zu Neubewertungen von Dingen, die über Jahrzehnte hinweg selbstverständlich waren: Wie etwa die Tatsache, dass der Sau für einen großen Teil ihres Lebens die Bewegungsfreiheit genommen wird.

Seit Jahren gewinnt das Tier diese Freiheit Stück für Stück zurück. Den nächsten großen Schritt beim Umbau der Sauenhaltung in Deutschland erzwingen nun nicht etwa Tierschützer oder Politiker, sondern Richter mit ihrem Urteil in höchster Instanz. Damit führt kein Weg an der Umsetzung vorbei. Der Sau steht mehr Platz zu, als ihr derzeit gewährt wird.

Beim Umbau muss den Bauern geholfen werden. Zum einen mit klaren und verlässlichen Vorgaben, wie der Stall der Zukunft auszusehen hat. Zum anderen auch mit einer finanziellen Unterstützung beim Umbau. Schließlich wäre niemandem gedient, wenn der Änderungszwang zu einem weiteren Betriebssterben führt.

Aber: Übergangsfristen, die die Lösung des Problems auf folgende Generationen verlagern, darf es nicht geben. Das wäre ein fatales Signal, denn schließlich geht es hier darum, Recht herzustellen, wo Unrecht herrscht.