Kommentar zu Airbus Tom Enders: Selbst bestimmtes Ende

Meinung – Ralf Geisenhanslüke | 15.12.2017, 18:53 Uhr

Tom Enders hat den Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus zu einem internationalen Spitzenkonzern geformt. Jetzt bestimmt er sein Ende selbst – ein Kommentar.

Im zivilen Bereich agiert das europäische Mischunternehmen Airbus auf Augenhöhe mit dem US-Giganten Boeing. Auch die Umbildung des Vielsortimenters EADS zum Markenkonzern trieb Enders mit der ihn charakterisierenden Durchsetzungskraft und mit unerschütterlichem Mut voran.

Auf diesem Weg schaffte es der ehemalige Fallschirmspringer, den Einfluss der Politik aus den EADS-Gründungsstaaten Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien auf ein Minimum zurückzudrängen. Dabei scheute er auf der einen Seite nicht die Konfrontation mit der deutschen Regierung, und es gelang ihm auf der anderen Seite, den französischen Präsidenten Macron für Airbus zu gewinnen.

Für frischen Wind

Mit dieser Geradlinigkeit hat Enders sicherlich jetzt auch mitgewirkt an der Entscheidung, die Führung des Konzerns ab 2019 in andere Hände zu geben. Enders hatte schon früher angedeutet, dass Spitzenmanager nicht länger als etwa eine Dekade an ihren Positionen kleben sollten, um frischen Wand in den Vorstandsetagen zuzulassen. Auch scheinen der Verwaltungsrat und er der Überzeugung zu sein, dass der eingeleitete Restrukturierungsprozess und die erfolgreiche Bekämpfung des Korruptionsskandals bei Airbus besser mit jüngerem Führungspersonal fortgeführt werden.

Die oft angeführten Probleme mit den Triebwerken der zivilen Flieger und die verzögerte Auslieferung des Militär-Transporters A-400 M waren nur teilweise hausgemacht und nicht entscheidend für Enders‘ Dienstende. Die Vermutung liegt nahe, dass „Major Tom“ sein Schicksal selbst bestimmen wollte – wie bei allen Entscheidungen in seiner erfolgreichen Airbus-Karriere.