Kommentar Stahl-Tarifabschluss: Vorbild für Metallindustrie

Meinung – Alexander Klay | 08.07.2014, 20:49 Uhr

Ein neuer Tarifvertrag für die nordwestdeutsche Stahlindustrie steht: Arbeitgeberverband Stahl und Gewerkschaft IG Metall einigten sich am Dienstagmorgen. Dazu ein Kommentar:

Hart verhandelt, fairen Kompromiss gefunden: Der Tarifabschluss für die nordwestdeutsche Stahlbranche ist von monetärer Seite her sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer tragbar. Angesichts der zurzeit niedrigen Inflation dürfte für die rund 75000 Beschäftigten am Ende sogar ein deutliches Plus im Portemonnaie bleiben.

Schwieriger wird es bei einem anderen Punkt. Für die IG Metall mögen die vereinbarten Standards für Werkverträge den wahren Gewinn aus der diesjährigen Tarifrunde bedeuten. Doch selbst die mächtige Gewerkschaft stellt fest, dass der Praxistest nun folgen müsse. Hier könnte sich schnell Ernüchterung breitmachen, wenn es darangeht, die vereinbarten Regeln mit Leben zu füllen.

Nach einem weiteren Triumph der Gewerkschaft mag es klingen, dass jeder Auszubildende künftig 36 Euro mehr in der Tasche hat und weiterhin nach den Lehrjahren mit der Übernahme rechnen darf. Doch das Zugeständnis der Arbeitgeber lässt sich auch andersherum deuten: Die Unternehmen müssen im harten Wettbewerb um die klugen Köpfe einiges bieten, damit sich der Nachwuchs nicht für ein Studium, sondern die klassische Berufsausbildung entscheidet.

Fest steht: Der Abschluss besitzt Signalwirkung. Zum Jahresende läuft der Tarifvertrag für die traditionell eng verbundene Metall- und Elektroindustrie aus. Hier könnte die Einigung der Stahlbranche als Blaupause für ein Ergebnis ähnlichen Umfanges dienen.

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