Kommentar Audi-Chef Stadler in U-Haft: Der Druck steigt – endlich

Meinung – Melanie Heike Schmidt | 18.06.2018, 21:11 Uhr

Mit Audi-Chef Rupert Stadler ist zum ersten Mal ein aktiver Top-Manager im Zusammenhang mit dem Dieselskandal verhaftet worden. Damit steigt der Druck bei Volkswagen, die Affäre endlich aufzuklären. Gut so.

Fast drei Jahre sind vergangen, seit die Welt erstmals von millionenfachen illegalen Abgasmanipulationen an Dieselmotoren erfahren hat. Drei Jahre, in denen immer neue, ungeheuerliche Details ans Licht gekommen sind. Jahre, in denen sich auch herausgeschält hat: Die Verfehlungen sind nicht etwa einzelnen, übereifrigen Ingenieuren anzulasten. Tatsächlich war es Betrug im großen Stil. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu ahnen: Auch in den obersten Etagen von VW, Audi und Co. finden sich Mitwisser, wenn nicht treibende Kräfte. Nun sitzt Audi-Chef Rupert Stadler wegen Verdunkelungsgefahr in U-Haft, der erste aktive Top-Manager, den es erwischt. Dass die Ermittler auch die Chefs in den Fokus nehmen, war überfällig.

Natürlich gilt für Stadler die Unschuldsvermutung. Dennoch fragt man sich: Warum dauerte das so lange? Audi wird als Brutstätte des Betrugs gehandelt. Wer Zeugen einnorden, wer Spuren verwischen wollte, hatte dazu vermutlich längst Zeit. Speziell gegen Stadler, seit 2006 an der Audi-Spitze, wurden mehrfach Vorwürfe laut. Dass er sich im Amt hielt, lässt sich mit mächtigen Förderern erklären, darunter Ferdinand Piëch, bis 2015 Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats.

Nun erhöhen die Ermittler offenbar den Druck. Gut so. Druck scheint das Einzige zu sein, das Bewegung in die zähe Aufklärung bringt.