Intralogistik-Messe Cemat Wenn der Stapler selbsttätig durchs Lager fährt

Von Joachim Göres, Joachim Göres | 03.06.2016, 20:02 Uhr

In Zeiten des wachsenden Internethandels müssen Waren so an- und ausgeliefert werden, dass sie beim Kunden möglichst schnell eintreffen. Dafür werden immer moderner eingerichtete Logistiklager gebaut. Die neueste Technik für Gabelstapler, Förderbänder und Regallager präsentierten bis gestern auf der Intralogistik-Messe Cemat in Hannover rund 1000 Aussteller aus 44 Ländern.

Als Intralogistik bezeichnet man die Materialflüsse, die sich innerhalb eines Betriebsgeländes abspielen. Unternehmen aus unserer Region ziehen ein durchwachsenes Fazit der Messe.

Plastikbehälter in verschiedenen Farben und Größen stellt die Bekuplast GmbH in Ringe (Grafschaft Bentheim) her, im vergangenen Jahr rund 16 Millionen Stück. „Darin werden Waren gelagert und transportiert. Unsere grünen Kisten findet man zum Beispiel in der Obstabteilung von Aldi“, sagt Vertriebsmitarbeiter Dennis Koopsingraven, einer von 300 Beschäftigten in Ringe, und ergänzt: „Jede Branche hat andere Anforderungen. In der Lebensmittelindustrie darf aus hygienischen Gründen kein Recyclingmaterial eingesetzt werden.“ Bekuplast fertigt auch Kunststoffpaletten, die vor allem im Export zum Einsatz kommen. „Viele Länder verbieten die Einfuhr von Holzpaletten, aus Angst vor Schädlingen im Holz“, sagt Koopsingraven. Er spricht von vielen internationalen Kontakten durch die Cemat, meint aber zugleich: „In den letzten Jahren war hier mehr los.“

„Wir hatten uns mehr versprochen“

Kritisch fällt auch das Fazit von Hans Köhler aus, für das Großkundengeschäft bei der Bohnenkamp AG aus Osnabrück zuständig. „Wir hatten uns mehr von der Messe versprochen.“ Der nach eigenen Angaben größte europäische Reifengroßhändler stattet etwa Gabelstapler mit Reifen aus. „Die Optimierung des Rollwiderstands durch superelastische Reifen ist auch in den Lagern ein großes Thema. Dann laufen die Fahrzeuge einfach besser“, sagt Köhler. In Osnabrück, wo 150 Menschen beschäftigt sind, hält Bohnenkamp Reifen im Wert von 40 Millionen Euro vorrätig. „Die Nachfrage wächst ständig. Wir haben unsere Kapazitäten deswegen ausgebaut und unser Lager aufgestockt. Bei uns sind 60 Gabelstapler im Einsatz.“ Bei Bohnenkamp lenken noch Fahrer die Gabelstapler – auf der Cemat werden fahrerlose Gabelstapler vorgestellt, die Aufträge im Lager selbsttätig ausführen.

Branche beschäftigt 120000 Menschen

2015 lag der Umsatz der deutschen Intralogistik-Branche bei rund 20 Milliarden Euro, erwirtschaftet von knapp 120000 Beschäftigten. Für dieses Jahr erwartet Christoph Beumer, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL), ein Plus von drei Prozent für seine Branche.

Nach Angaben von BVL-Sprecherin Ulrike Grünrock-Kern arbeiten in Deutschland rund drei Millionen Menschen im Bereich der Logistik, unter anderem bei Speditionen und in Warenlagern. „Die in der Logistik eingesetzte Technik wird immer komplexer. Die Nachfrage nach qualifiziertem Personal steigt“, sagt sie. Wie wirken sich die Veränderungen wie der verstärkte Einsatz von fahrerlosen Gabelstaplern und Transportrobotern auf die vielen einfachen Arbeitsplätze in den Lagern aus? „Tja?“, sagt Grünrock-Kern und zuckt mit den Schultern.