Insolvenzverwalter bricht Gespräche ab Karmann: 180-Millionen-Einigung gescheitert

Von Stefan Prinz | 13.09.2011, 05:30 Uhr

Die 7000 Karmann-Gläubiger werden wohl noch lange auf ihr Geld warten müssen. Mit der 180-Millionen-Rückzahlung des Finanzamtes wollte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann eigentlich schnell offene Forderungen begleichen. Ein Vergleich mit den Gesellschaftern ist nach Informationen unserer Zeitung jetzt aber gescheitert. Die Steuerberaterkammer rechnet mit einer Prozessdauer von mindestens fünf Jahren.

Eigentlich stand der Sieger bereits fest. In einer vorläufigen Stellungnahme erklärte Landgerichtspräsident Antonius Fahnemann Ende August, dass die 180 Millionen Euro bei einem Urteil wohl der insolventen Karmann-Betriebsgesellschaft zugesprochen werden. Der Richter warnte, dass ein Ausfechten des Streites bis zum Bundesgerichtshof ein endgültiges Urteil dennoch um Jahre verzögern würde. Er riet deshalb beiden Parteien zu einer gütlichen Einigung. Die Finanzbehörde hatte das Geld als zu viel gezahlte Steuern an die Karmann-Gesellschafter zurücküberwiesen.

Ottmar Hermann beansprucht die Millionen allerdings für die insolvente Karmann-Betriebsgesellschaft – und damit für die Gläubiger. Der Frankfurter Jurist fürchtet mindestens 50 Millionen Euro Zinsverlust, wenn der Streit bis zur letzten Instanz ausgefochten werden muss. Deshalb zeigte Hermann trotz der guten Aussichten für ein Urteil zu seinen Gunsten großes Interesse an einem Vergleich.

Vergebens: Bereits nach weniger als 14 Tagen sind diese Geheimverhandlungen nun gescheitert. In einem Rundschreiben an den Gläubiger-Ausschuss hat Hermann das Ende der Bemühungen um eine Einigung mitgeteilt. Die Forderungen der Gesellschafterseite seinen schlicht nicht annehmbar.

Wie groß der Anteil ist, den die Gesellschafter von dem Millionen-Kuchen abhaben wollen, ist nicht bekannt. Alle Parteien hüllen sich auf Nachfrage in Schweigen. Am 28. September trifft man sich vor Gericht wieder.

Horst Schade, Vizepräsident der niedersächsischen Steuerberaterkammer, rechnet damit, dass es nun zu einer Prozessdauer von mindestens fünf Jahren kommen könnte. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass seit der Karmann-Insolvenz im April 2009 die Osnabrücker Gerichte fast 2100 Verhandlungen rund um die Firma geführt haben. Davon allein 2004 Fälle vor dem Arbeitsgericht, erklärte dessen Pressesprecher Thomas Schrader. Davon seien lediglich 103 Verfahren noch nicht entschieden. Das sei nur möglich gewesen, weil das Gericht zwei zusätzliche Richter eingesetzt habe, die sich ausschließlich mit den Karmann-Klagen beschäftigten.