Innovationstreiber bei E-Bikes Derby Cycle: Fahrrad-Marktführer aus Cloppenburg

Von Alexander Klay | 13.08.2014, 07:37 Uhr

Ein leises Surren, wenn überhaupt – mehr ist nicht zu hören, wenn der Elektromotor anspringt und beim Treten hilft. Das Fahrrad mit Elektromotor, E-Bike oder Pedelec genannt, ist eine Erfolgsgeschichte aus Cloppenburg: 2013 stammte jedes vierte der insgesamt 410.000 in Deutschland verkauften Modelle aus den Hallen des Marktführers Derby Cycle.

Hinter dem Unternehmen, das auf die 1919 gegründeten Kalkhoff-Werke zurückgeht, stehen die fünf Fahrradmarken Focus, Kalkhoff, Raleigh, Univega und Rixe – und damit eine Angebotspalette, die nahezu jedes Preissegment und jede Sparte der Fahrradwelt bedient. Ob mit oder ohne Elektrounterstützung.

Geschäftsführer Thomas Raith ist Radfahrer durch und durch. Daheim an der Schwäbischen Alb nennt der sonnengebräunte, kernige Manager eine „ganze Garage voller Fahrräder“ sein Eigen. Wann er nur kann, sitzt er auf dem Sattel eines Mountainbikes. Oder, so sagt er, als Alternative für das Flachland: „Hier in Cloppenburg machen wir eher Ausfahrten mit Rennrädern.“ Bis 2013 leitete er den schwäbischen Zweirad-Zulieferer Magura.

Der Stolz, mit E-Bikes Innovationsführer zu sein, ist Raith anzuhören. „Wir sind die Triebfeder der Entwicklung“, sagt er. Immer kleiner und effizienter werden die von einer hauseigenen Tochtergesellschaft in Bayern gebauten Elektroantriebe – bis zu 200 Kilometer lang sollen sie die Pedalisten mit dem sprichwörtlichen eingebauten Rückenwind unterstützen, bis sie wieder an die Steckdose müssen.

Das Geschäft mit den Zweirädern läuft gut. „Der normale Verbraucher ist bereit, für Alltagsmobilität mehr Geld auszugeben“, sagt Raith. Durchschnittlich 2000 Euro geben Käufer für ein E-Bike des größten deutschen Fahrradherstellers aus. Für Sport, Freizeit und Radsport wird oft wesentlich tiefer in die Tasche gegriffen – auf der firmeneigenen Hausmesse sind Modelle für mehr als 8000 Euro zu sehen.

In Spitzenzeiten verlassen bis zu 3000 Fahrräder täglich die zehn Produktionsstraßen. Dazu ist vor allem Handarbeit nötig. Die 750 Mitarbeiter lackieren Rahmen, ziehen Schaltzüge ein, kleben jedes einzelne Dekorelement auf, montieren Bremsen und Tretlager. In einem Raum rattert und klackert es, Maschinen zerren und biegen an Lenkern, Rädern, Federungen und traktieren ganze Fahrräder: Im Testlabor werden zwei Jahre Abnutzung in 48 Stunden simuliert. Im Vergleich zur Montage normalen Fahrrädern greift die Wertschöpfung bei E-Bikes durch die Antriebseinheiten aus eigener Produktion noch tiefer.

Der Jahresumsatz von Derby Cycle liegt bei 270 Millionen Euro, Tendenz stark steigend. „Wir wollen über dem Marktdurchschnitt wachsen“, sagt der Geschäftsführer. Die Branche verzeichnet ein jährliches Plus von vier bis fünf Prozent. Raith geht davon aus, dass der E-Bike-Trend anhalten wird und zunehmend jüngere Käufer begeistert. „Auch im Rennbereich“, meint er. Verkauft wird in rund 60 Länder – teils mit eigenen Vertriebsorganisationen wie in Australien, Großbritannien und den USA oder über Importeure.

Für Cloppenburg ist Derby Cycle der größte und wichtigste industrielle Arbeitgeber. „Mit Abstand“, sagt Wirtschaftsförderer Jörg Kalvelage. Er schätzt den Fahrradhersteller als „größten Imageträger der Stadt“.

Nach einem kurzen Ausflug an die Börse in den Jahren 2011 und 2012 gehört Derby Cycle heute zur niederländischen Pon Holding. Für das Management sei Pon der Wunschkandidat gewesen – der Investor ist mit Fahrradmarken wie Gazelle selbst in der Branche aktiv und garantierte die Zukunft in Cloppenburg.

Der Standort Quakenbrück, 2007 aus den insolventen Kynast-Werken hervorgegangen, ist gerade von Produktion auf Lagerhaltung umgebaut worden. Aktuell horten hier 20 Mitarbeiter die Modelle, bis sie zur Auslieferung kommen.

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