Initiative Tierwohl steht 195 Millionen Euro für besseres Schweine- und Hühnerleben

Von Dirk Fisser | 09.07.2014, 20:49 Uhr

Die gemeinsame „Tierwohl-Initiative“ von Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Handelsketten steht. Der Bauernverband bestätigte unserer Zeitung, dass ein entsprechender Vertrag nach monatelangen Verhandlungen von allen Beteiligten unterzeichnet worden ist. Was jetzt noch fehle, sei die Zustimmung des Kartellamtes.

Weitere Details wollte ein Verbandsprecher zunächst nicht mitteilen. Im Laufe des Donnerstages soll darüber informiert werden. Die „Rheinische Post“ hatte am Mittwoch berichtet, dass der Lebensmittelhandel binnen drei Jahren einen Fonds in Höhe von 195 Millionen Euro einrichten will.

Aus diesem sollen dann Landwirte für bessere Haltungsbedingungen in ihren Schweine- oder Geflügelställen Ausgleichszahlungen erhalten. Die Standards der Initiative sollen dabei oberhalb der gesetzlichen Mindeststandards etwa für Platz im Stall liegen. Gibt das Kartellamt zeitnah grünes Licht, könnte die Initiative Anfang 2015 starten.

Bereits vor einigen Monaten hatte der Geschäftsführer des Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, im Interview mit unserer Zeitung erklärt, dass die Fleischpreise infolge der Initiative vermutlich um wenige Cent steigen würden. Krüsken bezeichnete das neue System damals als Chance für die Landwirtschaft. „Es kann uns dabei helfen, aus dem Dilemma auszubrechen, dass zwar mehr Tierwohl gefordert wird, aber das Fleisch letztlich niemand kauft, weil es zu teuer ist.“

Ähnlich äußerte sich am Mittwoch auch Heinrich Dierkes, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland, der mehrere Tausend Mitglieder angehören. Er sagte unserer Zeitung: „Als Landwirt denke ich, dass wir mit der Initiative nicht nur praktisch mehr Tierwohl in die Ställe bringen können. Ich verstehe sie auch als Signal, um Antworten auf die gesellschaftlichen Fragen zu geben.“

Seit 2012 hatten die drei beteiligten Branchen über das Konzept diskutiert. Eigentlich war der Start für den Anfang dieses Jahres vorgesehen, verzögerte sich dann aber. Schuld daran sollen Nachbesserungswünsche der Handelsketten gewesen sein, die sich auch gegen ein „Tierwohl“-Logo auf den Verpackungen ausgesprochen hatte (hier weitere Infos).

Unabhängig davon kündigte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) in der „Rheinischen Post“ an: „Wir wollen eine nationale Tierwohloffensive entwickeln“. 20 Millionen Euro sollen vor allem in die Weiterbildung von Landwirten in Sachen Tierschutz investiert werden. Schmidt erklärte, sich zudem auf europäischer Ebene für grenzübergreifende einheitliche und höhere Tierschutzstandards einsetzen zu wollen.