Herbstumfrage der Creditreform Mittelstand im Weser-Ems-Gebiet in „toller Stimmung“

Von Christian Lang | 08.12.2015, 14:27 Uhr

Die mittelständischen Unternehmen im Nordwesten Niedersachsens sind äußerst zufrieden mit der derzeitigen Geschäftslage – und blicken optimistisch in die Zukunft: Viele Firmen konnten in den vergangenen Monaten wachsende Umsätze verzeichnen. Das hat die Herbstumfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ergeben.

An der Umfrage haben sich 1281 Unternehmen aus dem Weser-Ems-Gebiet beteiligt. Das Ergebnis hat die Verantwortlichen von Creditreform überrascht – im positiven Sinne: „Es herrscht eine tolle Stimmung. Da haben die Unternehmen nochmals einen Riesensprung gemacht“, so Rolf Unger, Geschäftsführender Gesellschafter der Creditreform Osnabrück/Nordhorn. Die weltpolitischen Ereignisse der vergangenen Monate, wie die Flüchtlingskrise oder die Terroranschläge von Paris, hätten die mittelständischen Firmen keineswegs verunsichert.

Geschäftsklima-Index auf Höchststand

 Das schlägt sich in den Zahlen nieder: So haben 59,8 Prozent (Vorjahr 52,3 Prozent) der Unternehmen von einer guten beziehungsweise sehr guten Geschäftslage berichtet, im Baugewerbe sind es sogar 69,7 Prozent. Der von der Creditreform erstellte Geschäftsklima-Index erreicht mit 57,6 Punkten sogar einen neuen Höchststand. Doch woran liegt die gute Stimmung? „Zum einen ist das Exportgeschäft zu erwähnen, das sich in den vergangenen Monaten belebt hat. Außerdem liegt es an der guten Binnenkonjunktur“, berichtet Armin Trojahn, Prokurist bei der Osnabrücker Zweigstelle von Creditreform.

Umsatzeinbußen im Handel

Viele Firmen melden steigende Umsätze, waren es im vergangenen Jahr im Weser-Ems-Gebiet noch 32,2 Prozent der befragten Unternehmen, die ein Plus verzeichnen konnten, so sind es dieses Mal 36,5 Prozent. Dennoch liegt die Zahl noch knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt von 38,2 Prozent. Die Situation ist aber nicht in jeder Branche rosig. So tauchen im Handel verstärkt Umsatzeinbußen auf (21,9 Prozent, Vorjahr: 18,8 Prozent). Laut Unger ist dies vor allem als Folge des Konkurrenzdruckes durch den E-Commerce zu sehen, dem der Einzelhandel verstärkt ausgesetzt ist.

Licht und Schatten

Umsatz ist das eine, Gewinn das andere: Doch auch in diesem Bereich sieht es gut aus. So gaben 29,0 Prozent der Unternehmen an, ihren Ertrag gesteigert zu haben (Vorjahr 25,7 Prozent). Damit liegt das Weser-Ems-Gebiet über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 25,6 Prozent. Obwohl sich mehr Unternehmen über eine Ertragssteigerung freuen konnten, gab es gleichzeitig auch mehr Firmen, bei denen die Einnahmen gesunken sind (18,8 Prozent, Vorjahr: 17,9 Prozent).

Mehr Personal wird eingestellt

Die anhaltende robuste Konjunktur hat zudem dazu geführt, dass fast jedes dritte Unternehmen (32,9 Prozent) im Verlauf der letzten Monate sein Personal aufgestockt hat. Damit liegt die Region sogar über dem Bundesdurchschnitt (28,0 Prozent). Wieder einmal ist es vor allem das Baugewerbe, das einen großen Sprung nach vorne verzeichnet. 35,6 Prozent der Unternehmen gaben an, ihr Personal aufgestockt zu haben, im vergangenen Jahr waren es „nur“ 29,3 Prozent.

Wie sehen die Prognosen aus?

Mit den vergangenen Monaten scheinen die Unternehmen größtenteils zufrieden zu sein, doch wie sehen ihre Prognosen aus? Geht der Aufschwung weiter? Der Mittelstand ist optimistisch: Viele Unternehmen rechnen mit weiteren Umsatzsteigerungen. Im Weser-Ems-Gebiet geben 27,1 Prozent der Befragten an, dass der Umsatz in den nächsten Monaten steigen wird (Vorjahr: 21,9 Prozent).

Firmen wollen investieren

Damit liegen die Zahlen aber unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 33,7 Prozent. Ähnliches gilt für die Investitionsbereitschaft: 45,0 Prozent der Unternehmen planen nach eigener Auskunft ein Investitionsvorhaben, vor einem Jahr waren es 42,7 Prozent. Dennoch ist das Weser-Ems-Gebiet damit deutlich weniger investitionsbereit als der Rest Deutschlands: Dort wollen gleich mehr als die Hälfte der befragten Firmen (51,0 Prozent) Geld in die Hand nehmen. (Weiterlesen: Verbraucherinsolvenzen sinken auf Zehnjahrestief) 

Eine Frage der Mentalität?

Die allgemeine Zuversicht spiegelt sich auch in den Personalplanungen der Unternehmen wider. 14,0 Prozent der Unternehmen möchten ihr Personal aufstocken (Vorjahr: 12,2), nur 6,9 Prozent gaben an, die Mitarbeiterzahl zu reduzieren. Doch auch in diesem Bereich hinken die Zahlen bundesweit etwas hinterher. In Deutschland wollen 21,3 Prozent der befragten Firmen Personal einstellen. Doch woran liegt es, dass die Ergebnisse in vielen Bereichen im bundesdeutschen Schnitt noch besser ausfallen?

Dies sei eine Frage, die er sich auch schon gestellt hat, sagt Rolf Unger. Eine wirkliche Erklärung habe er jedoch noch nicht gefunden. „Vielleicht ist es einfach eine Mentalitätsfrage, dass die Menschen in unserer Region etwas zurückhaltender sind“, sagt er.