Harter Wettbewerb auf Hähnchenmarkt Wiesenhof stockt Schlacht-Kapazitäten (teils) auf

Von Dirk Fisser | 03.02.2015, 10:45 Uhr

Gleich drei Schlachthöfe will Geflügelfleisch-Marktführer Wiesenhof modernisieren oder ganz neu bauen. Theoretisch könnten die täglichen Schlachtkapazitäten an den Standorten damit von derzeit rund 500.000 auf dann knapp 900.000 Tiere steigen. Kritiker schlagen Alarm, Firmenchef Peter Wesjohann versucht zu beruhigen. Denn nicht alles, was technisch machbar sei, soll auch umgesetzt werden.

Standort Wietzen

So plane der Wiesenhof-Mutterkonzern PHW-Gruppe am Standort Wietzen im Landkreis Nienburg einen Schlachthof-Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft einer bereits bestehenden Anlage. „Eine Investition in den alten Standort lohnt sich nicht mehr“, begründet Wesjohann.

Hier würden derzeit maximal 140.000 Tiere pro Tag geschlachtet. In der neuen Anlage mit neuer Technik könnte die Schachtleistung auf 250.000 Hähnchen erhöht werden. Dies sei möglich, räumt Wesjohann ein, aber nicht geplant.

Schon länger überlegt die PHW-Gruppe , wie sie in die Tochter „Nienburger Geflügelspezialitäten“ investieren kann. Nachdem zunächst von Sanierung die Rede war, deuten jetzt die Zeichen verstärkt auf Neubau bei gleichzeitiger Schließung des Altbetriebes. Die behördlichen Genehmigungsverfahren sind eingeleitet. Über die Investitionssumme will Wesjohann aber noch nicht sprechen.

Die Kritiker sind mindestens ebenso lang in Stellung, wie geplant wird. Massenhafte Einwendungen bei Behörden und Sitzblockaden sorgten in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen. Zuletzt war es aber eher ruhig geworden.

Standort Lohne

Anders die Situation in Lohne, Landkreis Vechta, wo der Wiesenhof-Standort für vier bis fünf Millionen Euro erweitert werden soll. Derzeit werden hier 320.000 Tiere täglich geschlachtet, nach dem Umbau sollen es laut Wesjohann 432.000 Hähnchen sein. „Die Erweiterung in Lohne findet vor dem Hintergrund statt, dass wir gerade im Sommer zur Grillsaison einen starken Anfrageanstieg verzeichnen. Um unsere Kunden vernünftig beliefern zu können, müssen wir erweitern.“

Das Thema elektrisiert den kleinen Ort. Zwei Tage lang veranstalte das Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg als Genehmigungsbehörde eine Anhörung zu den Erweiterungsplänen bei der PHW-Tochter „Oldenburger Geflügelspezialitäten“. Die Sorge der Anwohner: mehr Lärm-, Geruchs- und Verkehrsbelästigung. Die Sorge der Tierschützer: noch mehr Ställe für Masthähnchen in der Region. Wesjohann sagt: „Es sind keine neuen Ställe nötig.“ Er habe eine ausreichende Zahl von Landwirten unter Vertrag stehen.

Standort Möckern

Parallel zu den Plänen in Niedersachsen soll zudem auch ein Schlachthof in Möckern, Sachsen-Anhalt, umgebaut werden. Dort wird derzeit überwiegen Tiefkühlware hergestellt. Künftig soll die Produktion vorwiegend auf Frischware umgestellt werden. Einher gehen wird das nach bisherigen Plänen laut Wesjohann mit einer Erhöhung der Kapazitäten von 160.000 auf dann 220.000 Tiere.

Die PHW-Gruppe mit der bekannten Wiesenhof-Marke hat ihren Sitz in Rechterfeld im Landkreis Vechta. Der Jahresumsatz lag 2012/2013 bei 2,45 Milliarden Euro, davon entfielen 1,4 Milliarden Euro auf Wiesenhof. Geschlachtet und zerlegt wird an elf Standorten.

Harter Wettbewerb

Die größten Konkurrenten befinden sich allesamt in der Nachbarschaft: etwa der Rothkötter-Konzern im Emsland. Das rasant gewachsene Unternehmen hatte im Geschäftsjahr 2013/2014 nach eigenen Angaben zum ersten Mal die Milliardengrenze beim Umsatz überwunden. Auf dem Markt mischen im größeren Stil zudem noch die Sprehe-Gruppe (Landkreis Cloppenburg), Heidemark (Landkreis Oldenburg) und der niederländische Plukon-Konzern mit. Angesichts der Vielzahl an Mitbewerbern stellt Wiesenhof-Chef Wesjohann fest: „Auf dem Markt herrscht ein harter Konkurrenzkampf, in dem wir uns gut behaupten.“

Genau ist Kritikern der intensiven Landwirtschaft ein Dorn im Auge. Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert, „ein baurechtliches Verbot von Agrarfabriken, konsequente Tierschutz-Vorgaben“ und eine Bestandsobergrenze in der Tierhaltung.

Ein ausführliches Interview mit Peter Wesjohann lesen Sie auf www.noz.de.