Fusion mit Gamesa Siemens schmiedet größten Windturbinenbauer

Von Heinz Krieger, Heinz Krieger | 17.06.2016, 17:55 Uhr

Der Weg zum zweitgrößten Windturbinenbauer ist frei. Die baskische Gamesa und die deutsche Siemens fusionieren ihr Windkraftgeschäft. Siemens übernimmt 59 Prozent von Gamesa, das als eigenständiges Unternehmen an der Börse von Madrid kotiert bleibt.

Die spanische Börsenaufsicht CNMV hat am Freitag den Handel mit Aktien des baskischen Windenergie-Konzerns Gamesa vorübergehend ausgesetzt. Gamesa und Siemens sind sich nach zähen Verhandlungen einig geworden, ihr Windkraftgeschäft zu fusionieren. Siemens bringt bis zu einer Milliarde Dollar ein (890 Millionen Euro / 963 Millionen Franken) ein und übernimmt 59 Prozent von Gamesa. Damit soll der weltgrößte Windturbinenbauer entstehen.

Sechs Monate verhandelt

Die Verhandlungen der beiden Unternehmen hatte sich über sechs Monate hingezogen. In dieser Woche kamen sie voran, kurz vor der Hauptversammlung von Gamesa am 20. Juni. Am Donnerstagabend gab der Gamesa-Verwaltungsrat grünes Licht. Gamesa informierte daraufhin pflichtgemäß die Börsenaufsicht CNMV, die den Handel mit der Unternehmensaktie am Freitagmorgen zunächst aussetze. Im außerbörslichen Geschäft legte das Gamesa-Papier laut der Wirtschaftszeitung „Expansion“ um 0,77 Prozent auf 17 Euro pro Aktie zu. Schon am Mittwoch war der Wert in Erwartung der Fusion um sechs Prozent gestiegen.

Sitz bleibt in Spanien

Die Grundzüge der Vereinbarung sind seit Februar bekannt. Es waren nur noch Details strittig. Die Fusion sieht das Zusammenlegen der Windkraftsparte von Siemens mit Gamesa vor. Das neue Unternehmen wird einen Wert von 10 Milliarden Euro haben. Auch wenn Siemens die Mehrheit der Anteile besitzt, soll Gamesa als eigenständiges Unternehmen mit Sitz in Spanien weitergeführt und an der Madrider Börse notiert bleiben. Siemens wird 59 Prozent und die Aktionäre von Gamesa 41 Prozent haben. 20 Prozent davon gehören dem spanischen Energieriesen Iberdrola. Gamesa ist gemessen an den Kursen von Donnerstag 4,77 Milliarden Euro wert.

Ausnahmeerlaubnis für Siemens

Das Vorhaben muss noch von den Aktionären von Gamesa gebilligt werden. Die Chefin der spanischen Börsenaufsicht CNMV, Elvira Rodriguez, muss die Fusion genehmigen und eine Ausnahmeerlaubnis für Siemens erteilen, damit die Übernahme ohne öffentliches Kaufangebot vonstattengehen kann. Dies war in den Fusionsverhandlungen einer der Stolpersteine gewesen. Da der Siemens-Anteil über 30 Prozent liegt, hätte das deutsche Unternehmen eigentlich ein öffentliches Kaufangebot über 100 Prozent von Gamesa vorlegen müssen. Ausnahmen davon sind zulässig, wenn es nicht um eine schlichte Übernahme geht, sondern die Schaffung eines neuen Unternehmensprojektes.

Ein weiterer offener Punkt war die Führung des neuen Windkraftkonzerns Siemens-Gamesa. Offenbar soll der bisherige Präsident Ignacio Martín auf seinem Posten bleiben. Allerdings hat sich Siemens bei Offshore-Anlagen ein Mitentscheidungsrecht ausbedungen.

Gamesa hat seinen Sitz in Zamudio bei Bilbao in Nordspanien. Das Unternehmen stellt Windkraftanlagen her, aber auch Anlagen zur Stromgewinnung aus Solarenergie. Gamesa hat rund 6500 Mitarbeiter.