Euro-Bindung des Franken gekippt Kehrtwende der Schweizer Notenbank: Das Beben von Bern

Meinung – Christian Schaudwet | 15.01.2015, 20:45 Uhr

Die Schweizer Notenbank gibt den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf. Das sagt viel über die Währungspolitik der Europäischen Zentralbank aus. Und über ihre Macht.

Der Druck auf die Schweizer Notenbank war zu groß, deshalb ist sie den folgenreichen Schritt einer Freigabe des Franken-Wechselkurses gegangen. Zu teuer wurden die Währungskäufe, mit denen sie den Franken gegen den Euro stabilisiert hatte.

Die Kursturbulenzen an den Börsen sind ein Indiz dafür, welche Bedeutung der Franken im Zuge internationaler Verunsicherung als Fluchtwährung erlangt hat. Seit dem drastischen Kursverfall des Rubels münzen vor allem Russen ihre Vermögen in Franken um. Die Schweizer Nationalbank in Bern hatte deshalb bereits einen Strafzins von 0,25 Prozent beschlossen.

Die nervöse Reaktion der Finanzmärkte zeigt aber auch, über welche Macht jene verfügen, die über den Euro wachen. Denn die Anstrengungen der Europäischen Zentralbank, den Euro-Wechselkurs gegen den US-Dollar zu drücken, haben die Flucht von Anlegern in den Franken noch beschleunigt.

Deutschland, das 2014 ein respektables Wachstum mit Rekordbeschäftigung hingelegt hat, kann sich glücklich schätzen. Bisher scheinen die bedrohliche weltpolitische Entwicklung und wirtschaftliche Schwäche europäischer Handelspartner seiner Wirtschaft nichts anhaben zu können.

Doch das Beben von Bern lehrt: Überraschungen sind jederzeit möglich. Und es lässt ahnen, wie sehr auch Deutschlands Geschick in der Hand der EZB liegt – etwa dann, wenn sie sich für den Kauf von Staatsanleihen entscheidet.