Erdgas in Niedersachsen Gasförderung: Firmen wollen 2020 mit Fracking beginnen

Von Christian Schaudwet, Christian Schaudwet | 02.03.2017, 15:04 Uhr

Die Öl- und Gasförderunternehmen in Deutschland wollen das konventionelle Fracking vorantreiben und warnen vor einer Blockade des unkonventionellen Schiefergas-Frackings. Die Gasförderung in Deutschland ist 2016 erneut zurückgegangen.

Die Erdgasproduktion ist dem Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) zufolge im vergangenen Jahr von 8,6 Milliarden auf 7,9 Milliarden Kubikmeter gesunken. Der Umsatz mit heimischem Erdgas sei von 2,5 Milliarden Euro auf 1,8 Milliarden Euro „abgestürzt“, sagte der BVEG-Vorstandsvorsitzende Martin Bachmann bei der Präsentation der Jahresbilanz der Branche am Donnerstag in Hannover. Die Erdölproduktion blieb mit 2,4 Millionen Tonnen konstant. Die Branche hat 2016 in Deutschland 331 Millionen Euro in die Öl- und Gasproduktion investiert.

Neues Fracking-Gesetz in Kraft getreten

Doch Bachmann rechnet damit, dass die Erdgasförderung in Deutschland und der heimische Versorgungsanteil von derzeit acht Prozent wieder steigen. Grund ist das seit dem 10. Februar wirksame Fracking-Gesetz, das neue Förderprojekte mittels des umstrittenen „Hydraulic Fracturing“ (Fracking) unter Auflagen wieder zulässt. „Konventionelles Fracking ist wieder möglich“, sagte Bachmann, der dem Vorstand des Öl- und Gasförderers Wintershall angehört. Die Umweltauflagen seien allerdings deutlich verschärft worden, was die Genehmigungsprozesse komplizierter mache.

Deutscher Versorgungsanteil soll wieder steigen

Der BVEG rechnet erst im Jahr 2020 mit dem Start neuer Fracking-Bohrungen. Bachmann prognostizierte für seine Branche langfristig einen Gas-Versorgungsanteil von 10 bis 20 Prozent. Fracking-Projekte werden nach Aussage von Florian Barsch, Chef von ExxonMobil Zentraleuropa und Vizechef des BVEG, vor allem in Gebieten stattfinden, in denen die Unternehmen bereits jetzt Gas aus dem Erdreich holen. Der größte Anteil des in Deutschland verbrauchten Gases wird importiert.

Weiter Streit über unkonventionelles Fracking

Bachmann warnte vor einer Blockade des sogenannten unkonventionellen Frackings, das ebenfalls in dem neuen Gesetz geregelt ist. Beim unkonventionellen Fracking wird Gestein mit Wasserdruck und chemischen Substanzen in ökologisch und in Sachen Grundwasserschutz sensibleren Gesteinsschichten aufgebrochen als beim konventionellen Fracking – beispielsweise in Schiefergestein. Das Gesetz lässt bis 2021 pro Jahr vier solcher Bohrungen zu Forschungszwecken zu. Eine Reihe von Bundesländern – sie sind für die Genehmigungen zuständig – haben aber bereits Widerstand angemeldet. Besonders das unkonventionelle Fracking ist wegen möglicher Umweltschäden und Grundwasserverunreinigungen heftig umstritten. Fracking gilt auch als Ursache kleinerer Erdbeben in Niedersachsen. Vielerorts kämpfen Bürgerinitiativen gegen Fracking-Projekte.

Bleiben die Rahmenbedingungen?

BVEG-Chef Bachmann warnte mit Blick auf die Bundestagswahl und drei Landtagswahlen in diesem Jahr davor, das konventionelle Fracking wieder zu erschweren und die Bohrungen zum unkonventionellen Fracking zu blockieren: „Wir erwarten, dass verlässliche, positive Rahmenbedingungen geschaffen werden und dass das, was jetzt beschlossen wurde, machbar bleibt.“