Ende Januar gibt es Post Kompensation für Kunden von VW?

10.12.2015, 17:37 Uhr

Im VW-Abgasskandal dringen die Verbraucherzentralen auf baldige Klarheit für die betroffenen Kunden. Sie erwarteten zu Recht, „dass VW endlich aufklärt, wie der Rückruf abgewickelt wird und wie der Konzern weitere Ansprüche der Verbraucher entschädigen wird“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, am Donnerstag.

„Insbesondere ein möglicher Wertverlust des Autos oder ein Mehrverbrauch nach Umrüstung darf nicht zulasten der Verbraucher gehen.“ Anstelle komplizierter Lösungen solle VW zusichern, selber alle Folgeschäden zu übernehmen.

Der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller sagte auf Fragen zum Wiederverkaufswert betroffener Autos, VW wolle für alle Länder ein Paket anbieten, „das eine Kompensation darstellt“. Details nannte er aber nicht.

Der vom Kraftfahrt-Bundesamt angeordnete Rückruf von 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeugen soll im Januar beginnen. Mit einem Schreiben von VW dafür könnten Autobesitzer ab Ende Januar rechnen, berichtete der vzbv nach einem Treffen mit dem VW-Generalbevollmächtigten Thomas Steg. Genaueres wolle dieser am 16. Dezember im Verbraucherausschuss des Bundestages darlegen. vzbv-Chef Müller betonte: „Dass weniger Autos von falschen CO2-Angaben betroffen sind als angenommen, bedeutet nicht, dass der Skandal beendet ist.“

Dem VW-Konzern steht eine gigantische Rückrufaktion bevor. Die Motoren mit manipulierten Werten zum Stickoxid-Ausstoß sollen mit Software-Updates und einem kleinen Umbau sauberer werden. Für die USA grübeln Techniker noch, wie sie die strengeren Vorgaben schaffen.

So soll der Rückruf in Deutschland und Europa aussehen:

 2,0-Liter-Motoren: Den meistverkauften Skandalmotor (europaweit 5,2 Millionen Autos) will VW ab Januar 2016 in den Werkstätten umrüsten. Etwa 30 Minuten soll das Aufspielen einer neuen Software dauern.

 1,2-Liter-Motoren: Der Rückruf für die kleinste betroffene Variante (unter anderem im VW Polo) soll zwischen April und Juni 2016 starten. Ein Software-Update reicht laut VW aus – in Europa für 300000 Autos.

 1,6-Liter-Motoren: Hier wird der Eingriff komplizierter, daher soll es erst zwischen Juli und September 2016 losgehen. Zusätzlich zum Software-Update soll ein kleines Gitternetz hinter dem Luftfilter eingebaut werden, um die Grenzwerte für das gesundheitsschädliche Stickoxid auf dem Prüfstand einzuhalten. Bis zu eine Stunde soll die Umrüstung dauern. Europaweit sind etwa 3 Millionen Autos betroffen.

VW hat 6,7 Milliarden Euro für Nachbesserungen an den Autos zurückgelegt. Im dritten Quartal war Volkswagen deshalb zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wieder in die roten Zahlen gerutscht. Ob die Summe benötigt wird, ist offen. Völlig unklar ist, was die Rechtsstreitigkeiten etwa in den USA kosten werden. Auch in Deutschland sind bereits etliche Klagen eingegangen. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig ermittelt unter anderem wegen Betrugsverdacht gegen mehrere Mitarbeiter.