Elektro-Handwerksbetrieb ebm Osnabrücker Know-how für die deutsche Botschaft in Paris

Von Harald Preuin, Harald Preuin | 07.06.2016, 17:01 Uhr

Nicht nur Industrieunternehmen aus der Region drängen auf den internationalen Markt – auch Handwerksbetriebe stemmen prestigeträchtige Großprojekte im Ausland. Einer von ihnen ist der Elektro-Baudienstleister ebm in

Bauen in Paris, gegenüber dem Grand Palais, nahe der Champs Elysée, in Sichtweite des Eiffelturms, das hat Charme. Doch die Mitarbeiter des Osnabrücker Handwerksunternehmens ebm (Elektro Bau Montage GmbH & Co. KG) haben in der französischen Hauptstadt kaum einen Blick für die touristischen Sehenswürdigkeiten. Ihre Aufmerksamkeit gilt der Generalsanierung der deutschen Botschaft.

Seit der siebenstöckige Zweckbau aus den 60er Jahren völlig entkernt ist, sind die Elektrohandwerker aus Osnabrück im Rohbau tätig. ebm-Geschäftsführer Andreas Ennen (62) freut sich, dass das mittelständische Unternehmen mit rund 190 Mitarbeitern an vier Standorten (Osnabrück, Schwarzheide/ Brandenburg, Colmar im Elsass und seit 2012 Lille/Frankreich) den Auftrag erhalten hat. Bis September 2017 soll der 1,8 Mio-Auftrag abgewickelt sein.

Notstromaggregat für den Überschwemmungsfall

Auf dem Zettel stehen neben der Elektroinstallation die Brandmeldeanlagen sowie Überwachungs- und Sicherheitssysteme. Mit EDV und Datenleitungen hat ebm allerdings nichts zu tun, das erledigt ein bundeseigenes Unternehmen. Eine Besonderheit für ebm: ein Notstromaggregat, das bei Hochwasser Energie für Wasserpumpen liefert. „Das Jahrhunderthochwasser in Paris ist statistisch gesehen seit sieben Jahren überfällig“, sagt Ennen.

Bei dem Pariser Projekt sind 16 Mitarbeiter aus Osnabrück und Lille im Einsatz, Die Projektsteuerung findet in Osnabrück statt, die beiden örtlichen Bauleiter haben Französischkenntnisse.

Logistische Herausforderung

Die enge Baustelle ist eine logistische Herausforderung, weil Material nicht gelagert werden kann und „just in time“ angeliefert werden muss. ebm sei für anspruchsvolle Projekte aber gut gerüstet, lobt der Geschäftsführer seine Mannschaft.

Eine ganze Innenstadt wie Hamburg an ein Parkleitsystem mit 650 Anzeigetafeln anzuschließen, klingt groß, ist für ebm offenbar aber machbar. Doch was, wenn die notwendige Verkabelung nicht vorhanden ist? Die Verbindung funktioniert dann über das Mobilfunknetz, das allerdings auch mal überlastet sein kann. Für diesen Fall haben die ebm-Ingenieure Plan B in der Tasche: Das gesamte Leitsystem der Hansestadt wird in der Firmenzentrale in Osnabrück überwacht und kann bei Bedarf manuell gesteuert werden.

Wichtiger Markt Gesundheitssektor

Parkleitsysteme sind nicht mehr das Kerngeschäft von ebm, machen nur noch acht Prozent seiner Aufträge aus. Bei rund 35 Prozent geht es um Elektro- und Sicherheits-Installationen in Krankenhäusern, Industrieanlagen, Hochschulen. Es folgen Großprojekte wie Paris oder die Stadthalle Osnabrück mit rund 23 Prozent. 15 Prozent decken den Bereich Erlebniswelten ab, die Spielbanken, Eishallen und Saunalandschaften beinhalten. Aufträge aus der Industrie, wie Wartungsarbeiten für BASF, machen ebenfalls 15 Prozent aus. Die meisten Aufträge, berichtet Ennen, kommen heutzutage mit rund 70 Prozent aus der Region.

Ideen im Verborgenen

Das Osnabrücker Unternehmen, 1975 von vier Handwerksunternehmen gegründet, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 23 Mio. Euro. Viele seiner Ideen stecken im Verborgenen, doch wenn an einem Parkhaus die Zahl der letzten freien Plätze angezeigt wird, dann steht dahinter die Entwicklungsleistung von ebm für die Ein- und Ausfahrtkontrolle.

Mit dem Programm „Gebäude 4.0“ geht Ennens Mannschaft nun verstärkt in die technische Ausstattung von Häusern mit viel Publikumsverkehr. Neben Gebäudetechnik, Brandmeldung und Sicherheitstechnik bietet ebm „Energiesparen für Fortgeschrittene“. Damit sollen die Kosten allein für Beleuchtung bis zu 35 Prozent gesenkt werden, sagt Ennen. In der ebm-Niederlassung in Lille ist die Nachfrage nach diesen Energiespar-Lösungen der Osnabrücker sprunghaft gestiegen.

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