Eigentümerwechsel Dr. Oetker Favorit für Coppenrath & Wiese-Kauf?

Von Christian Schaudwet | 08.07.2014, 13:29 Uhr

Im Wettbewerb um den zum Verkauf stehenden Tortenbäcker Coppenrath & Wiese kristallisiert sich der Bielefelder Lebensmittelkonzern Dr. Oetker als heißer Kandidat heraus. Nach Informationen unserer Zeitung reisten Manager des Osnabrücker Herstellers von Tiefkühl-Backwaren in der vergangenen Woche zu Sondierungsgesprächen nach Bielefeld.

Sprecher beider Unternehmen wollten am Montag keine Aussagen zum Stand möglicher Gespräche machen. Dr. Oetker-Chef Richard Oetker hatte zuvor grundsätzlich aber Interesse bekundet.

Die Coppenrath & Wiese-Eignerfamilie will bis spätestens Ende Juli Kaufangebote abwarten. Das Fachblatt „Lebensmittelzeitung“ hatte berichtet, die Erben des Unternehmens-Mitgründers Aloys Coppenrath favorisierten Dr. Oetker als Käufer. Interesse hatte dem Unternehmen auch der schweizerische Nahrungsmittel-Gigant Nestlé signalisiert. Laut Lebensmittelzeitung regen sich darüber hinaus auch der britische Finanzinvestor Cinven und eine weitere „Unternehmensgruppe aus der deutschen Lebensmittelindustrie“.

In der Branche wird der frühere Bäckerei-Unternehmer Heiner Kamps gehandelt. Kamps hat seine Anteile an der Unternehmensgruppe Theo Müller verkauft und scheidet voraussichtlich bis 2015 aus seiner jetzigen Position an der Management-Spitze des Milchkonzerns aus. Müller hat bereits einen Nachfolger für ihn benannt.

Eine neue unternehmerische Rolle in der Backbranche würde zu Kamps’ eigenen Äußerungen Mitte Juni passen. Damals hatte er der „Welt am Sonntag“ gesagt, er könne sich einen Wiedereinstieg ins Backgeschäft vorstellen: „Irgendwann wird es eine zweite Kamps-Story am Backwarenmarkt geben.“ Kamps hatte sein Backimperium 2002 an den italienischen Nudelkonzern Barilla verkauft.

Die Belegschaft sieht den Verkauf offenbar mit gemischten Gefühlen. „Klarheit ist das, was die Leute sich wünschen“, sagt Mohamed Boudih, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten (NGG) im Münsterland und zuständig für Coppenrath & Wiese. Etwas Klarheit habe zumindest die Entscheidung zum Verkauf selbst gebracht. Dennoch gebe es Sorgen, besonders in der Verwaltung, so Boudih. Angestellte dort befürchteten, ihre Stellen könnten bei einer Fusion mit einem anderen Hersteller der Rationalisierung zum Opfer fallen.

Boudih betont allerdings, dass sowohl Dr. Oetker als auch Nestlé bei früheren Fusionen Verwaltungsabteilungen übernommener Firmen aufrechterhalten hätten.

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