Deutschland fährt hinterher Studie: China Leitmarkt für Elektromobilität

01.12.2015, 15:33 Uhr

Der Elektromobilität in Deutschland stellt eine Studie des renommierten Center of Automotive Management (CAM) kein gutes Zeugnis aus.

Im internationalen Vergleich sei inzwischen China zum Leitmarkt aufgestiegen und habe damit die Vereinigten Staaten überholt, schreibt Stefan Bratzel, Leiter des CAM in Bergisch Gladbach, in der Untersuchung. Die hohen Erwartungen in das Thema seien in Deutschland bisher nicht erfüllt worden.

Bis Ende September wurden danach hierzulande rund 15000 (einschließlich der Hybrid-getriebenen Autos) zugelassen. Das entspreche trotz einer Steigerung um 63 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen des Vorjahres lediglich 0,63 Prozent der Neuzulassungen. Für das Gesamtjahr rechnet das CAM mit rund 21 000 neu zugelassenen Elektrofahrzeugen.

Im Oktober nur 67 Elektro-Golf

Studienleiter Bratzel macht den geringen Anteil des Elektroantriebs am Beispiel VW Golf anschaulich: Von den 26251 im Oktober zugelassenen Golfs waren nach seinen Zahlen lediglich 151 Plug-in-Hybride (Modell GTE) und 67 reine Elektrofahrzeuge. Dazu kamen 91 Erdgas-Golf.

„Kaum wettbewerbsfähig“

Da die Elektroautos nach CAM-Meinung bis auf wenige Ausnahmen kaum wettbewerbsfähig seien, sei das Wachstum der Elektromobilität überall noch stark von öffentlicher Förderung abhängig. Um im Konkurrenzvergleich besser da zu stehen, seien Weiterentwicklungen notwendig. Bratzel: „Es braucht Innovationen, die das sogenannte R.I.P.-Problemcluster – Reichweite, Infrastruktur, Preis – lösen. Seit Jahren ist bekannt, dass die Reichweiten von real nur 100-150 km von Kunden nicht akzeptiert werden, vor allem auch da es an einer umfassenden Schnellladestruktur mangelt.“

Hohe Kosten

Nach Bratzels Einschätzung sind Reichweiten von mindestens 300-500 Kilometern und eine entsprechende Möglichkeit zur Aufladung der Batterien notwendig. Außerdem seien die Kosten für E-Autos zum Teil erheblich höher als bei herkömmlichen Fahrzeugen. „Solange die R.I.P.-Probleme nicht gelöst sind, ruht die Elektromobilität weiter in Frieden.“

Insbesondere in Deutschland hält der Automobilwissenschaftler eine Fokussierung der Aktivitäten in Richtung alternativer Antriebe für notwendig.

Zwar hätten BMW, Daimler und der VW-Konzern ihre Kompetenzen bei Plug-in-Hybriden und Elektroautos ausgebaut. Allerdings reichten diese Anstrengungen nicht aus, damit Deutschland zu einem Leitanbieter in diesem Bereich werden kann und sich die Elektromobilität durchsetzt, so Bratzels Einschätzung.

Problem Batterie

Ein besonderes Problem sei dabei auch die Batterietechnologie: Dieser „zentrale Wertschöpfungsbaustein“ liege bisher nicht in Deutschland, sondern vor allem in Asien (Südkorea, China und Japan). Hier brauche es eine „konzertierte Aktion“ von deutschen Herstellern, Zulieferern und der Politik, um die nächsten Generationen von Batterien wieder hierzulande zu entwickeln und zu produzieren. Diese Entwicklung erfordere jedoch einen „hohen Kooperationswillen und Mut zum Wandel der Akteure“, so Bratzel in der Studie weiter.

Nach Zahlen des CAM ist der Absatz von E-Autos in China in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 135 Prozent auf knapp 100000 gestiegen. Damit habe das Land auf diesem Gebiet inzwischen die USA (rund 91400) überholt. Nach der Auflistung folgen auf den Plätzen: Norwegen (25000), Frankreich (18200) und Deutschland mit gut 15000 verkauften elektrisch betriebenen Fahrzeugen.

Nissa und Tesla vorn

Mit gut 35000 Fahrzeugen ist der Nissan Leaf weltweiter Marktführer vor dem Tesla S (etwa 32000), dem Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid (etwa 29000), dem chinesischen BYD Qin (gut 25000) und dem BMW i3 (18000). Von Januar bis September kamen danach vom Renault Zoe, VW E-Golf, dem Chevrolet Volt und dem Golf GTE jeweils 10 – 12 000 Fahrzeuge neu auf die Straßen der Welt.