Bauernverband: Keine Besserung in Sicht Milchkrise: 3214 Bauern haben in einem Jahr aufgegeben

Von Dirk Fisser | 22.12.2015, 13:54 Uhr

3214 Bauern haben ihre Milchviehhaltung in den vergangenen zwölf Monaten aufgegeben. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Grünen im Bundestag sehen in der Entwicklung eine Auswirkung der seit Monaten anhaltenden Milchpreiskrise. Der Bauernverband indes sieht erst einmal keine Zeichen für eine Verbesserung der Lage.

Wie das Statistikamt am Dienstag mitteilte, sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit November 2014 um 4,2 Prozent auf nun mehr 73.255. Die Zahl der Milchkühe sank im selben Zeitraum um etwas mehr als 11.000 Tiere auf nun mehr 4,3 Millionen. Das entspricht einen Rückgang um 0,3 Prozent und entspricht einem Trend der vergangenen Jahre: ein Landwirt hält immer mehr Kühe.

Für Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sind diese Zahlen Grund zur Sorge. Es zeichne sich ein Strukturbruch ab, der die Milcherzeugung in Deutschland verändern werde, sagt er unserer Redaktion. (Weiterlesen: Was der niedrige Milchpreis mit den Bauern macht) 

Grüne: Für Milchbauern fällt Weihnachten aus

„Für die Milchbäuerinnen und Milchbauern fällt Weihnachten dieses Jahr aus“, hält der Grünen-Politiker angesichts des nach wie vor niedrigen Milchpreises fest. Der befindet sich seit Monaten in einem Dauertief. Als Hauptgrund wird immer wieder das Embargo Russlands gegen Agrarexporte aus der EU angeführt. Die Milch schwappt demnach zurück auf den europäischen Markt und sorgt hier für ein Überangebot. Zudem ist die Nachfrage aus China zurückgegangen, auf die die Milchwirtschaft als Wachstumstreiber gesetzt hatte.

Zusätzlich für Druck auf vielen Höfen dürfte das teure Erbe der Milchquote sorgen: Die war zum 31. März zwar ausgelaufen. Weil viele Milchbauern aber bereits in den Monaten zuvor deutlich zu viel Milch produziert hatten, müssen sie jetzt Strafzahlungen von insgesamt 300 Millionen Euro leisten.

Ostendorff attestiert der Bundesregierung Untätigkeit angesichts der Krise. „Agrarminister Schmidt lässt die Milchbauern mit ihrer Existenzangst im Regen stehen“, so der Grünen-Politiker. (Weiterlesen: Was der niedrige Milchpreis mit den Bauern macht) 

Bauernverband: Keine Besserung in Sicht

Geht es im Jahr 2016 für Milchbauern genau so schwierig weiter? Der Deutsche Bauernverband rechnet zumindest nicht damit, dass sich die Lage auf dem Milchmarkt kurzfristig bessern wird. Verbandsgeneralsekretär Bernhard Krüsken sagte unserer Redaktion: „Wir befürchten, dass die derzeitige Niedrigpreisphase noch über die nächsten Wochen hinaus anhalten könnte.“

„Strukturwandel beschleunigt sich“

Er appellierte in diesem Zusammenhang an die Bundesregierung, „eine politische Lösung“ mit Russland zu finden. „Es darf nicht immer so weiter gehen. Eine Lösung wäre nicht nur im Sinne der Landwirtschaft, sondern der gesamten deutschen Wirtschaft“, sagte Krüsken. Ähnlich wie die Grünen sieht auch er in den niedrigen Milchpreisen einen Grund für das Minus von vier Prozent bei der Zahl der milchviehhaltenden Betriebe. „Der Strukturwandel beschleunigt sich“, so der Generalsekretär. (Weiterlesen: Was der niedrige Milchpreis mit den Bauern macht)