Azubis in der Region dringend gesucht Bis zu 3500 Ausbildungsplätze bislang unbesetzt

Von Alexander Klay | 10.07.2014, 20:32 Uhr

Drei Wochen vor dem Start in das Ausbildungsjahr ist die Wirtschaft von Nachwuchssorgen geplagt. Hunderte Stellen drohen unbesetzt zu bleiben.

Aktuell zählt die Handwerkskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim in ihrer Online-Stellenbörse rund 500 offene Ausbildungsplätze mit Starttermin im August oder September. Wohlgemerkt handele es sich dabei um freiwillige Eintragungen, merkt Sprecher Andreas Lehr an. Die tatsächliche Zahl dürfte weit größer sein. „Vor zwei Jahren waren es zu diesem Zeitpunkt noch um die 200 Stellen.“ Das Problem sinkender Bewerberzahlen betreffe Lehr zufolge alle Bereiche der Wirtschaft – egal ob Handwerk oder Industrie.

So habe sich die Lage am Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren gedreht: Statt unversorgten Bewerbern gebe es nun zunehmend unversorgte Betriebe, sagt Lehr. „Alle Betriebe stehen im Wettbewerb um die geringer werdenden Schulabgängerzahlen.“ Das Handwerk müsse sich weiter für die klassische Berufsausbildung einsetzen, auch auf politischer Ebene. Nicht zuletzt wegen dieses Engagements ermöglicht ein Gesellenbrief in Niedersachsen mittlerweile das Studium an einer Fachhochschule, der Meistertitel ist Zugangsberechtigung zur Universität.

Zahlen der regionalen Arbeitsagenturen legen das tatsächliche Ausmaß nahe. Ein steigender Bedarf der Betriebe stößt auf sinkende Bewerberzahlen. Dramatisch die Situation im Emsland und der Grafschaft Bentheim. Die Arbeitsagentur Nordhorn zählte Mitte Juni 3656 Bewerber für 4592 Ausbildungsstellen – 2167 Plätze blieben unbesetzt, 38 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im vergangenen Jahr waren es noch 3770 Kandidaten für 4359 Stellen.

Ähnlich die Entwicklung in Stadt und Landkreis Osnabrück. Hier kamen Mitte Juni 3676 Ausbildungsstellen auf 4047 Bewerber. Davon waren 2718 zu diesem Zeitpunkt mit einer Stelle versorgt. Vor einem Jahr kamen 4246 Bewerber auf 3538 Plätze. Unbesetzt blieben hier 1317 Stellen – insgesamt also gut 3500 in der Region.

Trotz der steigenden Zahl an Studienanfängern ließen sich mehr Abiturienten für die klassische Berufsausbildung begeistern, sagt Rolf Ender, Sachgebietsleiter Ausbildung bei der regionalen Industrie- und Handelskammer. Mit Einführung des Abiturs nach zwölf Schuljahren ist der Anteil der Abgänger, die eine Ausbildung antreten, in Niedersachsen von 22 auf aktuell 28 Prozent gestiegen. Dennoch: „Die Betriebe teilen uns mit, dass es zunehmend schwieriger wird, geeignete Bewerber zu finden“, sagt Ender. Die jüngste Umfrage der Kammer aus diesem Frühjahr ergab, dass jedes vierte Unternehmen aus der Region solche Sorgen hat. Vor drei Jahren war es noch jedes Siebte.

Unterdessen suchen Industrie und Handel in der Region noch immer 160 Kandidaten für eine Berufsausbildung mit Start in drei Wochen – während in der Stellenbörse der IHK bereits 164 Ausbildungsplätze für das Jahr 2015 zu finden sind.

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