Argentinien ist pleite Die Augen verschlossen

Meinung – Norbert Meyer | 31.07.2014, 21:23 Uhr

Nach 2001/2002 ist Argentinien erneut pleite - zumindest formal. Die Regierung hat es kaum besser verdient.

Silber hat einst Eroberer nach Argentinien gelockt und dem Land seinen Namen gegeben. Heute, nach der erneuten Staatspleite, warnen Rating-Agenturen Geldgeber davor, ihr Glück in Südamerikas zweitgrößter Volkswirtschaft zu versuchen. „Nur noch Ramsch“, sagen sie zum Wert argentinischer Staatsanleihen.

Die Regierung von Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hat es kaum besser verdient. Zwar ist ihre Weigerung nachvollziehbar, den von ihr als „Geier“ geschmähten US-Hedgefonds Altschulden in voller Höhe zurückzuzahlen. Doch durch ihre dirigistische Wirtschaftspolitik stößt die Staatsführung Argentiniens Finanz- und Handelspartner vor den Kopf. Dabei braucht das Land dringend Hilfe von außen.

In Argentinien hat es Tradition, die Augen vor der Notwendigkeit harter Anpassungen zu verschließen. Selbst liberale Staatslenker wie Ex-Präsident Carlos Menem tendierten dazu: Seine feste Kopplung des Peso im Verhältnis Eins zu Eins an den US-Dollar schwächte den Export und trieb die Auslandsverschuldung bis hin zur Staatspleite 2001.

Auch diesmal muss das Volk für Fehler der Regierung geradestehen. Es erleidet längst wieder neue Verluste – auch weil die Inflation in Wahrheit viel höher ist als offiziell behauptet. Wahr ist aber auch, dass die Branche der Hedgefonds noch immer erpresserischen Raubtierkapitalismus betreiben kann. Hier hat auch die internationale Politik bisher versagt.