Ansturm auf die Städte Preise für Eigenheime im Nordwesten steigen stark

Von Christian Schaudwet | 29.12.2016, 20:00 Uhr

Die Preisspirale bei Eigenheimen im Nordwesten dreht sich unablässig. Die Preise für gebrauchte Einfamilienhäuser sind seit 2013 deutlich gestiegen. Nicht nur in der Landeshauptstadt Hannover, sondern besonders in Osnabrück und im Landkreis Vechta. Droht eine Immobilienblase?

Wie eine landesweite Untersuchung der Bausparkasse LBS Nord zeigt, wurden Einfamilien-Eigenheime im Bestand vor allem im Landkreis Vechta teurer. Dort sitzen global exportierende Unternehmen wie die Agrartechnikhersteller Grimme (Damme) und Big Dutchman (Vechta), die Wirtschaft boomt, die Bevölkerung wächst durch Zuzug. Die Preise stiegen im Landkreis Vechta um rund 14 Prozent pro Jahr.

Ebenfalls zweistellig nach oben ging es in den Städten Braunschweig (plus 11 Prozent), Osnabrück (plus 10 Prozent) sowie in den Landkreisen Gifhorn (plus 12 Prozent) und Lüchow-Dannenberg (plus 10 Prozent). Die Zahlen beruhen auf einer Auswertung von Verkaufsangeboten in niedersächsischen Tageszeitungen und Online-Portalen durch das Berliner Forschungsinstitut Empirica über drei Jahre.

Neubautätigkeit kann Bedarf nicht decken

Dem Trend gemäß teurer wurden Eigenheime beispielsweise auch in Papenburg, Weener und Delmenhorst zwischen dem ersten Quartal 2015 und dem dritten Quartal 2016. Aus der Reihe fielen in diesem Zeitraum überraschend die Städte Meppen, Nordhorn und Oldenburg, wo die Preise leicht zurückgingen (siehe Grafik). Über drei Jahre gemessen, liegt am unteren Ende der Skala der Landkreis Holzminden. Dort sind die Preise für Einfamilienhäuser laut LBS seit 2013 um drei Prozent pro Jahr gesunken.

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Die Bevölkerung wächst durch Zuwanderung vor allem aus Ost- und Südeuropa. Ende 2015 wohnten in Deutschland etwa 978000 Menschen mehr als im Vorjahr – ein Zuwachs von 1,2 Prozent. Weder bei Wohnungen noch bei Eigenheimen kann das Angebot an Neubauten den Bedarf decken: „Durch den großen Nachholbedarf gerät der Gebrauchtimmobilienmarkt immer stärker unter Druck“, sagt der Vorstandschef der LBS Nord, Rüdiger Kamp.

In Osnabrück und Braunschweig, den nach Hannover teuersten Städten des Bundeslands, zahlten Käufer im dritten Quartal 2016 jeweils Summen um 400000 Euro für gebrauchte frei stehende Einfamilienhäuser. Dabei handelt es sich um den sogenannten mittleren Standardpreis. Das bedeutet laut LBS: Jeweils 50 Prozent der Angebote liegen preislich darüber oder darunter. Ein Viertel der Häuser wurde in Osnabrück für je 500000 Euro oder mehr verkauft, in Hannover für je 800000 Euro oder mehr.

Landflucht hält an

Empirica-Immobilienexperte Reiner Braun spricht von einer anhaltenden „Landflucht“, und zwar bundesweit: „Die jungen Leute wollen mitten rein in die Städte, dort steigen die Preise am stärksten.“ Der Trend gehe in Universitätsstandorte mit bunten, attraktiven Innenstädten. Dazu zählt Braun auch Hannover und die Oberzentren Osnabrück und Braunschweig.

Der Ansturm auf die Städte führe indirekt zur Preissteigerung bei Eigenheimen im nahen Umland, wo sich häufig junge Familien niederließen. Und wer einmal aus der Fläche in die Stadt oder in deren Umland gezogen sei, kehre meist nicht mehr in ländliche Gebiete zurück, sagt Braun.

„Normalisierung“ der Preisentwicklung

Droht der Region eine Immobilienblase? Noch sehe man lediglich eine „Normalisierung“ der Preisentwicklung im internationalen Vergleich, sagt Jochen Möbert, Makroökonom bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Doch diese Phase komme langsam zum Abschluss, es drohe Überbewertung: „Eine Blasenentwicklung im Zeitraum 2019 bis 2021 ist nicht unwahrscheinlich“, so Möbert. Dass die Preise auch in ländlichen Regionen stiegen, sei ein „Warnsignal“.

Im Nordwesten Niedersachsens fallen im Vergleich über 21 Monate teilweise drastische Sprünge des mittleren Standardpreises für Einfamilienhäuser auf (siehe Grafik). In einigen Städten im Nordwesten ging der Preis aber auch zurück:

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Einen unmittelbaren Vergleich mit angrenzenden Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens lassen die Statistiken der LBS zwar nicht zu, doch sie liefern Größenordnungen. Die Grafik zeigt das Preisniveau in einigen NRW-Städten in Nachbarschaft zu Osnabrück:

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