Alternativen zur Plastiktüte Sind Papiertüten wirklich besser für die Umwelt?

Von Melanie Heike Schmidt | 27.08.2015, 14:12 Uhr

Dass Plastik die Umwelt schädigt, ist bekannt, weswegen die Plastiktüte am besten ganz aus dem Handel verschwinden soll. Doch welche Alternativen sind wirklich ökologisch sinnvoll? Ein Ranking:

Mehrwegtüten

Im Prinzip eine schöne Idee. Allerdings sind diese Tüten nicht so leicht aufzutreiben. Grundsätzlich sind Mehrwegtüten dicker als Tüten, die nur einmal oder nur wenige Male verwendet werden. Nur: Wie sind diese Mehrwegtüten von den üblichen Plastiktüten zu unterscheiden? Damit das dem Kunden gelingt, muss der Handel diese Tüten explizit ausweisen, informiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Andernfalls gilt: Direkt danach fragen. Wird die Tüte mehrfach benutzt, ist dies auf jeden Fall schonender für die Umwelt als würde jede Tüte nur einmal gebraucht und dann in den Müll geworfen. Doch auch bei Mehrwegtüten bleibt ein Problem: Ist die Tüte kaputt, muss auch sie entsorgt werden. Irgendwann also landet auch die Mehrwegtüte genau da, wo auch alle Einmal-Plastiktüten landen.

Kompostierbare Tüten

Klingen gut, sind aber auch keine echte Lösung: Tüten aus kompostierbarem Plastik. Immerhin, die Ökobilanz der kompostierbaren Alternativen aus Cellulose und Stärke fällt besser aus als die von normalen Plastiktüten. Doch auch sie enthalten einen geringen Anteil sogenannter einfacher Polymere, erklären die Umweltschützer des BUND. Diese bleiben im Kompost als gefährliche Kleinstbestandteile zurück.

Und es gibt noch ein Problem: Die kompostierbaren Alternativen sind von anderen Plastikprodukten kaum zu unterschieden. Landet diese Tüte also im Biomüll, wird sie von den Kompostieranlagen oder auch von den biologischen Verwertungsanlagen aussortiert – als Störstoff. Wandert die Tüte stattdessen in den Gelben Sack, geht die Sache auch schief: Sie stören den Stoffkreislauf in der Verpackungsmüllsammlung, schließlich besteht die Tüte eben nicht aus einem klassischen Kunststoff.

Papiertüten

Papiertüten sind wie Plastiktüten ein Einwegprodukt und daher nicht besonders ökologisch. Aber: Papier wird in Deutschland über einen geregelten Recyclingkreislauf entsorgt. Papiertüten sind also eine bedingt gute Lösung des Problems – wenn sie denn später nicht im Restmüll, sondern in der Papiertonne entsorgt werden. Und: Wer vorsichtig ist und nicht gerade im strömenden Regen unterwegs war, kann auch Papiertüten mehrfach verwenden.

Stofftaschen, Körbe, Rucksäcke

Eindeutig die beste Lösung: Alle Experten raten zu Stofftaschen. Rucksack, Jutebeutel oder Korb sind die besten Alternativen zur Plastiktüte. Aber eines darf man beim Einkauf nicht vergessen: Darin sollten das Obst und Gemüse vom Supermarkt unverpackt transportiert werden, betont das Umweltbundesamt. Für Brot und Brötchen bieten sich daher zum Beispiel waschbare Stoffbeutel an, für Früchte ein stabiler Korb. Denn wenn Obst, Brötchen und Co. erst in die dünnen, fast überall kostenlos verfügbaren „Abwiege-Tüten“ verpackt werden und dann im Korb oder Rucksack landen, ist die gute Ökobilanz sofort dahin. (Mit dpa)

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