Durchschnittlich 56800 Euro erzielt Bauern verdienen nach Krisenjahren wieder mehr Geld

Von Dirk Fisser

Blick in einen Schweinestall. Foto: dpaBlick in einen Schweinestall. Foto: dpa

Berlin. Nach zwei schweren Krisenjahren geht es wieder bergauf in der deutschen Landwirtschaft. Zumindest im Westen. Der Osten leidet unter schlechten Ernten und niedrigen Getreidepreisen. Das geht aus Zahlen hervor, die der Bauernverband am Dienstag in Berlin präsentiert hat.

Demnach stieg das Unternehmensergebnis im Wirtschaftsjahr 2016/17 im Schnitt um 34 Prozent auf 56.800 Euro an. Besonders Schweinehalter verdienten nach Aussage von Bauernpräsident Joachim Rukwied wieder besser, konnten ihr Jahresergebnis sogar mehr als verdoppeln: Betriebe mit Schweinen oder Geflügel erzielten rund 85.000 Euro und damit 47.000 Euro mehr als im vorangegangenen Wirtschaftsjahr, das traditionell von Anfang Juli bis Ende Juni läuft. Die Preise für Ferkel sowie die Nachfrage aus dem Ausland nach Schweinefleisch sei positiv gewesen, begründete Rukwied die Einnahmenzuwächse.

Auch bei den Milchbauern ging es angesichts gestiegener Milchpreise in dem Zeitraum wieder aufwärts. Sie nahmen mit durchschnittlich 56.000 Euro etwa 40 Prozent mehr ein. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen teilte am Dienstag beim Milcherzeugertag in Aurich mit, dass Molkereien zuletzt wieder bis zu 40 Cent pro Kilogramm Milch gezahlt hätten. In den Krisenjahren 2015/16 war der Erzeugerpreis auf 20 Cent abgesackt. Die Verbraucher bekamen den Anstieg vor allem bei der Butter zu spüren, die in diesem Jahr im Supermarkt so teuer war wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht.

Aufschwung in Niedersachsen

Der Aufwärtstrend betrifft nach den Zahlen des Bauernverbandes vor allem die westlichen Bundesländer mit großen Tierbeständen. In Niedersachsen (65.000 Euro) oder Nordrhein-Westfalen (55.000 Euro) stiegen die Ergebnisse um mehr als 50 Prozent an. Die Regionen Weser-Ems und Westfalen werden auch als Speckgürtel Deutschlands bezeichnet. Ein Großteil der deutschen Schweinefleischproduktion findet hier statt.

Für die östlichen Bundesländer verzeichnete der Verband das gegenläufige Ergebnis: Im Schnitt sanken die Einnahmen um 11.000 Euro auf knapp 60.000 Euro. Rukwied begründete dies zum einen mit schlechten Getreidepreisen, aber auch mit schlechten Ernten aufgrund der Wetterkapriolen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr. Im Osten Deutschlands ist Viehhaltung vergleichsweise schwach vertreten, dafür um so mehr Ackerbau.

3200 Euro brutto im Monat

Runtergebrochen auf die einzelne Arbeitskraft auf den Höfen kam der Bauernverband auf einen Durchschnittswert von etwas mehr als 38900 Euro im Jahr. „Das entspricht einem monatlichen Brutto-Einkommen von 3200 Euro“, rechnete Rukwied vor. Davon seien dann aber noch Steuern und Sozialabgaben abzuziehen – sowie Neuinvestitionen in den Betrieb. Und genau die sind nach Verbandsangaben mit minus elf Prozent weiter rückläufig. Statt die Mehreinnahmen auszugeben, hätten die Bauern das Geld auf die hohe Kante gelegt, so Rukwied.

Der Verbandspräsident nannte zwei Punkte, die in der Landwirtschaft derzeit für Verunsicherung sorgen: die Unklarheit über die neue Bundesregierung und die künftige Agrarpolitik sowie die Afrikanische Schweinepest, die mit Polen bereits ein Nachbarland erreicht hat. „Wenn die Krankheit in Deutschland auftritt, hätte das desaströse Folgen“, sagte Rukwied. Die Variante der Schweinepest gilt nicht nur als besonders aggressiv. Ein Ausbruch hätte auch Exportstopps für Schweinefleisch zur Folge.(mit dpa)