500-Millionen-Euro Marke im Visier Coppenrath & Wiese wächst weiter

Von Nina Kallmeier


Mettingen/Osnabrück. Das Geschäft mit Torten, Brötchen und Desserts läuft für das Osnabrücker Unternehmen Coppenrath & Wiese auch in diesem Jahr sehr gut. Bis Jahresende rechnet die Geschäftsführung mit einem Umsatzwachstum von fünf Prozent auf 420 Millionen Euro. Auch das Auslandsgeschäft nimmt weiter Fahrt auf und die Erweiterung der Produktion am Standort Mettingen liegt voll im Zeitplan.

Nach einem erfolgreichen Jahr 2016 sind die Geschäftsführer Andreas Wallmeier und Peter Schmidt auch mit dem Verlauf des aktuellen Geschäftsjahrs von Coppenrath & Wiese sehr zufrieden. Die Umsatzsteigerung von fünf Prozent ist für Wallmeier ein „sehr guter Wert“, insbesondere, da der Hauptabsatzmarkt Deutschland bereits konsolidiert sei. „Man kann davon ausgehen, dass hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen.“ Und dennoch ist der Umsatz im Kernmarkt in diesem Jahr überproportional gestiegen, so der Geschäftsführer.

Auslandsgeschäft macht 25 Prozent des Umsatzes aus

Insgesamt rund 75 Prozent seines Geschäfts macht der Osnabrücker Tortenbäcker laut Geschäftsführer Peter Schmidt in Deutschland. Einen Anteil am Umsatzwachstum hat aber auch das Auslandsgeschäft. Die Erschließung weiterer Märkte ist seit der Übernahme des Unternehmens durch Dr. Oetker vor zwei Jahren eines der wichtigsten Ziele und die neuen Märkte, die über Dr. Oetker vertrieben werden, verbuchen „vielversprechende Umsätzen“, so Schmidt. Zu ihnen gehören Italien, Spanien, Finnland, Belgien, Norwegen oder auch die Schweiz – auch, wenn man derzeit noch eine Lernkurve durchlaufe. „Es sieht erfolgsversprechend aus. Ein Schwerpunkt unseres Auslandsgeschäfts liegt aber weiterhin in Großbritannien“, sagt der Geschäftsführer. Trotz Brexit bleibe der Markt ein strategisches Standbein und Wachstumsträger. Insgesamt exportiert das Unternehmen in rund 30 Länder.

Produktion ausschließlich in Mettingen

Einen zusätzlichen Produktionsstandort zu eröffnen, steht für Coppenrath & Wiese derzeit nicht auf der Tagesordnung. „Wir überprüfen regelmäßig Möglichkeiten und haben uns auch schon mal in Großbritannien umgeschaut. Es gibt jedoch derzeit keine Pläne in dieser Hinsicht“, so Wallmeier. Allein die Tatsache, dass nur zwei der insgesamt etwa 600 Produkte nicht in Mettingen produziert werden, sei ein klares Bekenntnis zum Standort. Und 100 der angekündigten 500 neuen Mitarbeiter haben bereits ihre Arbeit aufgenommen. Bis 2022 sollen alle neuen Angestellten eingestellt sein, sagt Wallmeier. Durchaus keine einfache Aufgabe, denn auch Coppenrath & Wiese habe mit Fachkräftemangel in technischen Berufen zu kämpfen. Einen großen Austausch mit Homann habe es bislang jedoch nicht gegeben, sagte der Geschäftsführer. Rund 30 Mitarbeiter des Lebensmittelkonzerns, der seine Produktion nach Sachsen verlagern will, hätten bislang eine Anstellung bei Coppenrath & Wiese gefunden.

Rohstoffe werden teurer

Trotz des positiven Geschäftsverlaufs hat das Jahr auch Herausforderungen bereitgehalten. Dazu zählt der Fipronil-Skandal – auch wenn das Unternehmen keine Produkte zurückrufen musste. Auswirkungen sind dennoch zu spüren. „Das Keulen von 30 bis 40 Millionen Legehennen hat zu einer Verknappung von Eiern geführt“, erklärt Wallmeier. Von ihnen verarbeitet der Mittelständler immerhin 150 Millionen pro Jahr, von denen bis zu 75 Prozent aus Deutschland kommen, der Rest hauptsächlich aus den Niederlanden. Entsprechend wirkt sich die Verknappung auf die Preise aus. Von einer Preissteigerung für den Endkunden geht Andreas Wallmeier im kommenden Jahr aber nicht aus. Auch wenn Lebensmittelpreise unter anderem für Eier, Milch oder Butter gestiegen sind. „Die Preishoheit hat der Handel“, betont der Geschäftsführer. Das Unternehmen selbst stehe derzeit in Verhandlungen mit dem Einzelhandel, fügte Peter Schmidt hinzu.

Logistikstandort Osnabrück

Das noch laufende Geschäftsjahr ist für Geschäftsführer Wallmeier insgesamt geprägt von strukturellen Unternehmensentscheidungen. Dazu gehört neben der Investition von 80 Millionen Euro in den Bau der neuen Konditorei und der damit verbundenen Kapazitätserweiterung um 25 Prozent am Hauptstandort Mettingen auch die Zusammenführung der Beschäftigten am Produktionssitz sowie die Umgestaltung des Unternehmenssitzes Osnabrück zum Logistikstandort. Rund 65 Mitarbeiter aus der Verwaltung, die bislang in der Friedensstadt ihrer Arbeit nachgegangen sind, haben 2017 ihren Arbeitssitz nach Mettingen verlegt.

Dennoch bleibt Unternehmenssitz derzeit Osnabrück. Und auch im Bereich Logistik ist der Tortenhersteller mit seiner Spedition Overnight auf Wachstumskurs. 200 der insgesamt 2600 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Während die Verträge mit der Spedition RTS als Ankermieter bereits verlängert wurde, arbeitet das Unternehmen auch weiterhin mit dem Tiefkühl-Anbieter Apetito aus Rheine zusammen. Und auch ein neuer Kunde ist mit DMK Ice Cream aus Everswinkel hinzugekommen. „Wir bewegen etwa 750000 Paletten pro Jahr. Rund die Hälfte davon ist für Coppenrath & Wiese, der Rest ist Fremdgeschäft“, erklärte Wallmeier. In seiner Entscheidung für eine eigene Spedition sieht sich der Geschäftsführer daher bestätigt.

500 Millionen Umsatz sind das Ziel

Perspektivisch plant Coppenrath & Wiese mit einem Umsatzwachstum von 20 Prozent in den kommenden vier Jahren auf 500 Millionen Euro. In allen Produktsegmenten sieht die Geschäftsführung weiterhin Wachstumspotenzial. „Unsere Situation ist mit einem Marktanteil von 49,5 Prozent komfortabel, aber darauf können wir uns nicht ausruhen“, so Schmidt. Als größten Wettbewerber im hart umkämpften Lebensmittelgeschäft sieht er den Markt selbst. „Daran müssen wir uns messen.“ Auch wenn der Hauptfokus des Osnabrücker Unternehmens auf dem Markengeschäft bleibt, machen produzierte Handelsmarken rund 25 Prozent der verkauften Ware aus. „Wir sind jedoch ein Hersteller von Markenartikeln und wollen dieses Geschäft auch weiter ausbauen“, betont Peter Schmidt.