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15.11.2017, 05:05 Uhr KOMMENTAR ZU MISSSTÄNDEN IN SCHWEINEHALTUNG

Leidende Schweine: Es geht um die Glaubwürdigkeit

Ein Kommentar von Dirk Fisser


Diesem Schwein geht es gut. Foto: Gert WestdörpDiesem Schwein geht es gut. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Eine wissenschaftliche Untersuchung belegt Tierschutzprobleme in der Schweinehaltung. Für Politik und Landwirtschaft stellt sich jetzt die Frage, wie glaubwürdig das Gerede vom Tierwohl in den vergangenen Jahren eigentlich war. Ein Kommentar.

Die Untersuchung der Schweinekadaver zeigt keine Momentaufnahme. Sie beschreibt einen Missstand, der bislang verborgen geblieben ist. In den Entsorgungsbetrieben verschwinden offenkundige Hinweise auf Tierschutzverstöße in einem Ausmaß, das nicht mehr mit dem viel zitierten Einzelfall zu rechtfertigen ist. Die Schweinehaltung in Deutschland hat ein Problem. Und es ist im Interesse jedes ordentlich arbeitenden Tierhalters, dass eben dieses gelöst wird.

Zwei Dinge sind nun zu tun: Die Politik muss eine effektive Kontrolle der Entsorgungsbetriebe ermöglichen. Das bedeutet nicht, dass jedem Schwein ein Amtstierarzt zur Seite gestellt wird. Das bedeutet, dass die Kontrolldichte so eng sein muss, dass allein von der möglichen Überwachung eine abschreckende Wirkung ausgeht. Die Branche selbst muss den falschen Korpsgeist gegenüber denjenigen ablegen, die es schlecht machen – ob nun bewusst oder aufgrund von Unvermögen. Wer seine Tiere miserabel behandelt und gegen Gesetze verstößt, setzt die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung aufs Spiel. Nachschulungen in Sachen Nottötungen sind ebenso notwendig wie eine klare Positionierung der Landwirtschaft gegen Tierquäler.

Handeln nun aber weiterhin beide Seiten nicht, stellt sich die Frage, wie viel das Gerede der vergangenen Jahre vom Tierwohl eigentlich wert war.


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