Umsatzpluss von sechs Prozent Hersteller kommen mit „Rückenwind“ zur Agritechnica



Hannover. International wie nie präsentiert sich die Agritechnica derzeit in Hannover. Mit einem Produktionsplus von rund sechs Prozent in diesem Jahr und einer anhaltend stabilen Nachfrage schaut die Landtechnik-Branche positiv in die Zukunft.

Probesitzen im Führerhaus des riesigen Traktors der Firma Claas, eine Demonstration, wie schnell sich der große Häcksler der Firma Kemper ausfährt oder wie verschiedene Maschinen intelligent zusammenarbeiten – das Spektrum dessen, was auf der Agritechnica noch bis zum 18. November zu sehen ist, ist groß. Mehr als 2800 Aussteller aus 53 Nationen präsentieren derzeit sich und ihre Produkte. Eine Zahl, mit der DLG-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Grandke sehr zufrieden ist. „Das Messegelände ist ausgebucht“, sagte er am Montag. Damit unterstreiche die Agritechnica ihre führende Stellung als internationale Leitmesse für Landtechnik und Landwirtschaft. Zudem sei die Messe in diesem Jahr so international wie nie zuvor. Fast 1700 Aussteller, rund 60 Prozent, kommen aus dem Ausland, den größten Anteil nach Ländern hat dabei Italien mit 372 Unternehmen, gefolgt von China (117) und den Niederlanden (112). Dass trotz der hohen Zahl von Ausstellern in diesem Jahr weniger vor Ort sind als im Jahr zuvor, begründete Grandke unter anderem mit einem Konzentrationsprozess seitens der Hersteller.

Digitalisierung ist großes Thema

Ein großes Thema der Agritechnica, die in diesem Jahr unter dem Motto „Green Future – Smart Technology“ steht, ist die Digitalisierung. Sie sieht VDMA-Landtechnik-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer auch als Impulsgeber für Investitionen. „Dass mehr als 80 Prozent der diesjährigen Produktneuheiten auf digitalen Vernetzungsideen beruhen, ist ein starkes Zeichen für die Algorithmen-basierte Landwirtschaft. Denn sie schafft Mehrwert, unabhängig von Betriebsform und -größe.“ Für DLG-Hauptgeschäftsführer Grandke ist sie auch eine Möglichkeit für Landwirte, effizienter und Ressourcen schonender zu Produzieren – und so die Akzeptanz der modernen Landwirtschaft innerhalb der Bevölkerung zu steigern. Allerdings, so Grandke, würden viele Landwirte Risiken in den Regelungen zum Datenschutz sehen.

Auf Nachholbedarf, gerade was eine Digitalisierungsstrategie angeht, machte VDMA-Landtechnik Geschäftsführer Scherer aufmerksam: „Das volle Potenzial des Digital Farmings lässt sich nur dann entfalten, wenn es uns endlich gelingt, eine verbindliche Digital-Agenda für die europäische Landwirtschaft auf den Weg zu bringen, die alle relevanten Politikfelder erfolgreich miteinander vernetzt.“ Dazu gehört für ihn neben dem Breitbandausbau auch die Frage der Datenhoheit und Datensicherheit sowie gemeinsame Standards und industrieübergreifende Schnittstellen.

Umsatzplus von sechs Prozent

Insgesamt, so Scherer, sind die Maschinenhersteller jedoch mit einem technischen und konjunkturellen Rückenwind nach Hannover gekommen. Einträgliche Ernten und auskömmliche Erzeugerpreise, insbesondere für Milch und Futterpflanzen, hätten die Nachfrage nach innovativen Landmaschinen und Traktoren in zahlreichen Schlüsselmärkten befeuert. In Zahlen bedeutet das für die Branche: Für das Gesamtjahr rechnen die VDMA-Statistiker mit einem Umsatzwachstum von rund sechs Prozent auf 7,6 Milliarden Euro.

Das sei kein kurzfristiges Hoch nach drei Jahren der Rezession, so Scherer. „Auch für 2018 zeigen sämtliche Indikatoren klar nach oben, weshalb wir ein weiteres Produktionsplus um vier Prozent erwarten.“ Den Trend unterstreichen auch die vollen Auftragsbücher der Landmaschinenfabrikanten. Im Durchschnitt entsprach der Auftragsbestand laut einer Umfrage während des gesamten Jahres einer Produktionsdauer von fast drei Monaten.

Russland und Ukraine sind Wachstumstreiber

Auch wenn laut VDMA-Landtechnik Geschäftsführer durchaus auch der deutsche Markt mit einem Umsatzplus von drei Prozent zum guten Jahresergebnis beiträgt, kommen Konjunkturimpulse vor allem aus Russland und der Ukraine. „Für 2017 geht der VDMA in beiden Märkten von Wachstumsraten zwischen zehn und 25 Prozent aus“, so Scherer. Auch, wenn der anhaltende Protektionismus in Russland weiterhin Sorge bereite.

Steigende Umsätze prognostizieren Industrie und Handel für das kommende Jahr in Nordamerika – allerdings nicht in allen Produktgruppen. „Während in Kanada auch die Geschäfte mit größeren Maschinen wieder besser laufen, gestaltet sich der Verkauf leistungsstarker Traktoren und Mähdrescher in den USA nach wie vor schwierig“, erläuterte der VDMA-Geschäftsführer.

Die Agritechnica läuft noch bis Samstag, 18. November. Bis dahin werden rund 400000 Besucher, davon 100000 aus dem Ausland, erwartet.


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