Arbeitszeitgesetz soll flexibler werden Debatte um die Arbeit der Zukunft

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Arbeitszeiterfassung ist in vielen Unternehmen und Betrieben Standard. Doch die Organisation der Arbeitszeit passt in vielen Fällen nicht mehr in die moderne Arbeitswelt. Foto: imago/Thomas KöhlerArbeitszeiterfassung ist in vielen Unternehmen und Betrieben Standard. Doch die Organisation der Arbeitszeit passt in vielen Fällen nicht mehr in die moderne Arbeitswelt. Foto: imago/Thomas Köhler

epd/dpa Berlin. Die Wirtschaftsweisen beharren auf einer Lockerung des Arbeitszeitgesetzes. Auch die Arbeitgeber fordern seit Längerem, nicht mehr die tägliche, sondern nur noch die Wochenarbeitszeit zu begrenzen. Widerspruch kommt vom Deutschen Gewerkschaftsbund.

Eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes lehnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ab. Es böten sich bereits eine Fülle von Möglichkeiten für flexibles Arbeiten, erklärte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann am Sonntag in Berlin. Unter anderem deswegen hätten die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Überstunden geleistet. Diese Flexibilität sei einseitig zugunsten der Arbeitgeber, kritisierte der DGB-Chef.

Wirtschaftsweise: Digitalisierte Arbeitswelt braucht neue Regelungen

Anlass für Hoffmanns Kritik ist eine Forderung der Wirtschaftsweisen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat die Politik dazu aufgefordert, das Arbeitszeitgesetz zu lockern. „Firmen, die in unserer neuen digitalisierten Welt bestehen wollen, müssen agil sein und schnell ihre Teams zusammenrufen können. Die Vorstellung, dass man morgens im Büro den Arbeitstag beginnt und mit dem Verlassen der Firma beendet, ist veraltet“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Christoph Schmidt, der „Welt am Sonntag“. Eine Reform des Arbeitszeitgesetzes steht auch auf der Agenda der Sondierungsgespräche für eine mögliche Jamaika-Koalition.

Vorschlag: Nur Wochenarbeitszeit begrenzen

Die Arbeitgeber fordern schon länger, nicht mehr die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden zu begrenzen, sondern stattdessen eine maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden festzulegen. Auch die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen soll von elf auf neun Stunden verkürzt werden. Der Wirtschaftsweise Schmidt warnt aber ähnlich wie die Gewerkschaften vor Mehrarbeit durch die Hintertür: „Eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes darf nicht bedeuten, dass man heimlich die Arbeitszeit ausweitet“, sagte der Ökonom. „Möglicherweise wünschen sich das die Arbeitgeber, aber es sollte lediglich darum gehen, die bestehende Arbeitszeit flexibler zu verteilen.“

IG Metall geht mit Maximalforderung in Tarifrunde

Das Thema Arbeitszeit spielt auch in den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie eine Rolle. Am Mittwoch beginnt die Tarifrunde unter anderem in Baden-Württemberg, wo schon häufig Pilotabschlüsse erzielt worden sind. Mit ihrer erstmals seit den 90-er Jahren erhobenen Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten sorgt die IG Metall jedoch schon vor dem Start für harte Fronten. Nach ihrer Vorstellung sollen die bundesweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten sechs Prozent mehr Geld bekommen. Zudem sollten sie – und das dürfte der Knackpunkt werden – ihre Arbeitszeit vorübergehend von 35 auf bis zu 28 Stunden pro Woche absenken können. Bestimmte Gruppen sollen dafür einen finanziellen Ausgleich von ihrem Arbeitgeber erhalten, zum Beispiel wenn sie Schicht arbeiten, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen.

Arbeitgeber: Indiskutabler Systemwandel

Stefan Wolf, Chef von Südwestmetall und Verhandlungsführer für die Arbeitgeberseite, hält den Wunsch der Gewerkschaft allerdings für indiskutabel. „Wir sehen in der Forderung einen totalen Systemwandel“, sagte Wolf der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben bislang das Prinzip, und das halte ich auch für richtig, dass ein Entgelt bezahlt wird für geleistete Arbeit“, sagte Wolf. „Wenn jemand 28 Stunden arbeitet, dann soll er auch 28 Stunden vergütet bekommen.“ Warum das künftig anders sein solle, verstehe er nicht.


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