Ein Bild von Katharina Ritzer
12.11.2017, 17:36 Uhr KOMMENTAR ZU ARBEITSZEIT

Wenn früh am Morgen die Werkssirene dröhnt...

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Wenn es um flexible Arbeitszeiten geht, liegen die Vorstellung von Arbeitnehmern und -gebern oft weit auseinander. Karikatur: Mario LarsWenn es um flexible Arbeitszeiten geht, liegen die Vorstellung von Arbeitnehmern und -gebern oft weit auseinander. Karikatur: Mario Lars

Osnabrück. Die Arbeitszeitregelungen müssen flexibler werden, fordern die Wirtschaftsweisen. Die Gewerkschaften jedoch fürchten, eine Lockerung ginge zu Lasten der Arbeitnehmer. Tatsächlich darf das nicht passieren. Eine Anpassung der bestehenden Gesetze an die moderne Arbeitswelt tut aber dennoch not, findet unsere Kommentatorin.

„Wenn früh am Morgen die Werkssirene dröhnt und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt“, sang die Band Geier Sturzflug in ihrem Hit „Bruttosozialprodukt“. Das war im Jahr 1982 und da war die Arbeitswelt noch eine ganz andere. Heute reden wir von digitaler Vernetzung, von Homeoffice, von Globalisierung und von maximaler Flexibilisierung der Arbeit. Nur die Gesetze, die unsere Arbeitszeiten regeln, die stammen wie das Lied aus dem vorigen Jahrhundert.

Höchste Zeit also, die Regelungen der aktuellen Lebenswirklichkeit anzupassen. Und da kann die geforderte Vereinbarkeit von Familie und Beruf eben auch heißen, früher aus dem Büro nach Hause zu gehen, die Kinder ins Bett zu bringen und dann noch dienstliche Mails zu beantworten oder eine Präsentation zu schreiben. Zu dieser Lebenswirklichkeit passen beispielsweise die starren Pausenvorschriften zwischen zwei Arbeitstagen einfach nicht mehr.

Was bei der Neujustierung aber nicht herauskommen darf, ist eine Freikarte für die Arbeitgeber zur willkürlichen Verlängerung der Arbeitszeit. Besonders Menschen mit mehreren Jobs im Mindest- oder Niedriglohnsektor brauchen wirksamen gesetzlichen Schutz vor Ausbeutung. So wenig, wie es also noch die eine Arbeitswelt für alle gibt, so wenig kann unsere moderne und facettenreiche Arbeitswelt mit einem Gesetz erfasst werden. Gefragt sind intelligente Lösungen, damit auch bei Jamaika weiter „ in die Hände gespuckt“ wird und das Bruttosozialprodukt steigt.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN