Atypische Beschäftigung Minijobs, Teilzeit, Befristung: Hohe Werte in Niedersachsen

Von Uwe Westdörp

Eine Stellenanzeige für einen Minijob klebt in Stralsund im Schaufenster eines Textilgeschäfts. Foto: dpaEine Stellenanzeige für einen Minijob klebt in Stralsund im Schaufenster eines Textilgeschäfts. Foto: dpa

Berlin. Gute Arbeit für alle? Das bleibt weiter Zukunftsmusik. Der Anteil als unsicher geltender atypischer Beschäftigung ist in Deutschland innerhalb von 20 Jahren stark von 15 auf 20,7 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.

Somit arbeitet mehr als jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland nicht in einem traditionellen Arbeitsverhältnis. In Niedersachsen beträgt der Anteil sogar 22,3 Prozent. Dasgeht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegt.

Es geht um befristete oder Teilzeitjobs, geringfügig Beschäftigte und Zeitarbeitnehmer. In Niedersachsen ist die Zahl der atypisch Beschäftigten von 1998 bis 2016 der Regierungsantwort zufolge von 461.000 auf 781.000 angestiegen. Dies entspreche einem Zuwachs um 96,4 Prozent. Der Anstieg sei fast doppelt so stark wie im Bund (53,3 Prozent). hebt die Linksfraktion mit Blick auf die Zahlen der Regierung hervor.

Die Ergebnisse im einzelnen: Einen Zuwachs von 335 Prozent auf mehr als 95.000 gab es nach einer Auswertung der Linken bei der Leiharbeit in Niedersachsen. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten mit weniger as 20 Wochenstunden erhöhte sch demnach um 48,5 Prozent auf 517.000. Die Zahl der befristet Beschäftigten stieg um 90,6 Prozent auf 244.000, die der geringfügig Beschäftigten um 130 Prozent auf 233.000, die der Leiharbeitnehmer um 344 Prozent auf 953.000.

Allerdings ist der Anteil atypischer Beschäftigung bundesweit zuletzt wieder etwas gesunken. Er nahm seit 1996 kontinuierlich auf 22,6 Prozent im Jahr 2007 zu, nahm dann wieder ab, erreichte 2010 erneut diesen Höchstwert und sank danach wieder.

Die Zahl der sogenannten Normalarbeitnehmer mit mindestens 20 Wochenstunden und unbefristetem Vertrag nahm binnen 20 Jahren im Bundesgebiet von 24,8 auf 25,6 Millionen zu - die der atypisch Beschäftigten stieg deutlich stärker, von rund 5 auf 7,7 Millionen 2016.

Bei der Leiharbeit gab es dabei einen Anstieg auf 737 000 und bei geringfügiger Beschäftigung auf 2,2 Millionen Beschäftigte. Die Zahl der befristet Beschäftigten ist seit 1996 von 1,9 auf 2,7 Millionen gewachsen, die der Beschäftigten in Teilzeit bis 20 Wochenstunden von 3,2 auf 4,8 Millionen.

Die Linken-Abgeordnete Jutta Krellmann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte: „Die gute wirtschaftliche Lage trägt nicht dazu bei, dass die prekären Ränder kleiner werden.“ Es gebe eine „Zone der Unsicherheit“, kritisierte Krellmann. Sie forderte: „Wir brauchen sichere Arbeitsverhältnisse für alle mit eine kürzeren Vollzeit bei vollem Lohnausgleich - kurz: eine neues Normalarbeitszeitverhältnis.“

Deutlich gesunken ist seit 1996 aber auch die Arbeitslosigkeit in Deutschland - laut Bundesagentur für Arbeit (BA) von 3,97 auf 2,69 Millionen Arbeitslose im Jahresdurchschnitt. Der Anteil der Arbeitslosen sank von 10,4 Prozent auf einen Niedrig-Rekordwert von 6,1 Prozent 2016.

Auch Arbeit auf Abruf ist heute weit verbreitet. Sieben Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten mindestens an einem Tag im Monat auf diese Weise. Das geht aus der Regierungsantwort an die Grünen hervor, über die die „Rheinische Post“ (Montag) zuerst berichtet hatte. Bei Arbeit auf Abruf schließen Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Vertrag über eine Tätigkeit mit flexiblen Einsatzzeiten. (mit dpa)


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