Firmenporträt: Gemüsegärtnerei Grünzeug Was Atomunglück und Bio-Anbau gemeinsam haben

Von Christoph Lützenkirchen

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Stephan Puls ist Chef der Bioland-Gemüsegärtnerei Grünzeug in Gehrde im Landkreis Osnabrück. Foto: LützenkirchenStephan Puls ist Chef der Bioland-Gemüsegärtnerei Grünzeug in Gehrde im Landkreis Osnabrück. Foto: Lützenkirchen

Gehrde. Manchmal sind große Katastrophen der Anlass für große Veränderungen. Im Fall von Stephan Puls war es die Atomkatastrophe von Tschernobyl, die den gelernten Schlosser veranlasste, in Sachen Nachhaltigkeit umzudenken. Er gründete die Bioland-Gemüsegärtnerei Grünzeug im Landkreis Osnabrück. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Manchmal sind große Katastrophen der Anlass für große Veränderungen. Im Fall von Stephan Puls war es die Atomkatastrophe von Tschernobyl, die den gelernten Schlosser veranlasste, in Sachen Nachhaltigkeit umzudenken. Er gründete die Bioland-Gemüsegärtnerei Grünzeug im Landkreis Osnabrück. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

„Wir wollten etwas anders machen“, sagt Puls, Besitzer des Betriebes in Gehrde bei Bersenbrück. Er und seine damalige Partnerin planten, 40 Haushalte mit Gemüse zu versorgen. Dafür sollten 7500 Quadratmeter Fläche reichen. Heute bewirtschaftet Puls mit seinem Gartenbauunternehmen 180.000 Quadratmeter und deckt den Bedarf von circa 1000 Haushalten.

800.000 Euro Umsatz

Seit der Gründung im Jahre 1988 ist der Jahresumsatz von 170.000 DM (umgerechnet 85.000 Euro) auf mittlerweile 800.000 Euro gewachsen. Schon 1991 beschäftigte Puls den ersten festen Mitarbeiter. Aktuell arbeiten neun Vollzeitkräfte für Grünzeug, vier Teilzeitkräfte und sechs Aushilfen. Während der Saison von April bis Oktober kommen zudem Saisonkräfte hinzu. Die Treibhäuser des Betriebes sind insgesamt 2000 Quadratmeter groß, davon werden 1300 Quadratmeter beheizt. Zum Sortiment gehören gut 40 verschiedene Kulturen, Anbauschwerpunkte liegen unter anderem bei Kohl, Sellerie, Salaten, Wurzelpetersilie und Schwarzwurzeln.

„Die Größe des Betriebes hat sich nach und nach so ergeben“, sagt Stephan Puls: „Wir haben geschaut, wie der Bedarf ist und den Anbau ausgedehnt.“ Aufgrund der fruchtbaren Esch-Böden kann er in Gehrde erfolgreich Gemüsekulturen ernten, die bei Kollegen in der Region weniger gut wachsen. Inzwischen sei der Betrieb groß genug, um zwei Gärtnerfamilien zu ernähren, erklärt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Partner in der Region

Gut zwei Drittel der Produktion von Grünzeug gehen in den Handel. Hauptabnehmer sind die Gemüsegärtnerei Kalkriese und der Oldenburger Naturkostgroßhändler Kornkraft. Weitere Kunden von Puls sind verschiedene Einzelhändler, darunter zwei Filialen der Naturkostkette Superbiomarkt in Osnabrück. „Grünzeug beliefert uns fünf Mal in der Woche“, sagt Torben Wernicke, Leiter Obst- und Gemüseeinkauf bei Kornkraft: „Wir schätzen das Unternehmen als verlässlichen und authentischen Partner in der Region und sind sehr zufrieden mit der Qualität der Produkte. Sie sind immer erntefrisch und sehr gut aufbereitet.“ In Eigenregie betreiben Puls und seine Mitarbeiter Verkaufsstände auf sieben Wochenmärkten in Osnabrück, Vechta, Damme, Quakenbrück und Oldenburg. „Die eigenen Marktstände sind wichtig“, sagt Stephan Puls „wir machen dort 50 Prozent unserer Umsätze.“ Um das Wochenmarktsortiment aus der eigenen Produktion zu ergänzen, betreibt er einen kleinen Naturkosthandel, vor allem mit Obst, Eiern und Honig.

Fünfjährige Fruchtfolge

Der Schwerpunkt des Betriebes liegt trotz der, für das wirtschaftliche Überleben wichtigen, Handelstätigkeit in der Produktion. „Unsere Fruchtfolge ist fünfjährig“, erklärt Puls: „Als Ausgleich zu den Kohlarten bauen wir auch Kartoffeln an, die gehen komplett in die Direktvermarktung.“ Beim Pflanzenschutz setzt der Bio-Gärtner auf Kulturschutznetze, sie schützen die Kulturen vor Schädlingen und lassen sich viele Male wieder verwenden. Ein großer Teil der Anbauflächen wird durch Hecken vor unerwünschten Einflüssen aus den umgebenden, konventionell bewirtschafteten, Äckern geschützt. Mehrere Brunnen ermöglichen die Bewässerung aller Kulturen.

Gentechnik macht Probleme

Für die Anbauplanung zeichnet Stephan Puls selbst verantwortlich. Trotz der inzwischen beachtlichen Größe seines Unternehmens hat er nie eine Ausbildung zum Gärtner absolviert. Alles was er kann, hat er sich selbst beigebracht. Außerdem profitierte er im Laufe der Jahre stark vom Austausch mit anderen Mitgliedern des Anbauverbandes Bioland aus der Region. Die Planung hat ihre Tücken. Um den Kunden kontinuierlich ein breites Sortiment aus eigener Produktion anbieten zu können, müssen die verschiedenen Gemüse mit zeitlichem Abstand in mehreren Sätzen ausgesät und gepflanzt werden. Damit das richtig gut klappt, werden bei Grünzeug fast alle Jungpflanzen selbst herangezogen. „Ein echtes Problem haben wir beim Saatgut“, sagt Puls: „Ohne Hochleistungssorten geht es im Erwerbsgemüsebau nicht. Die Bio-Züchter können den Bedarf nicht decken.“ Er kauft deshalb Saatgut aus konventioneller Zucht. Doch dort wird mehr und mehr Gentechnik eingesetzt, die der Bio-Gärtner ablehnt. Gleichzeitig nehmen die Züchter erprobte, ältere Sorten vom Markt, weil sie die neuen verkaufen wollen.


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