Gutachten sieht kaum Verbesserungen Gutachten: Nächste Milchkrise wäre wieder fatal

Eine Milchkuh auf einer Messe. Foto: dpaEine Milchkuh auf einer Messe. Foto: dpa

Osnabrück. Die deutsche Milchwirtschaft ist für die nächste Preiskrise nicht gewappnet. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion, das unserer Redaktion vorliegt.

Die umgesetzten oder noch geplanten Maßnahmen der Bundesregierung nach der schweren Krise in den vergangenen Monaten reichten demnach nicht aus, um starke Preisschwankungen abzufedern. Es sei mit einer „zyklischen Wiederholung von Krisen“ zu rechnen, schreiben die Autoren. Das Risiko trügen nach wie vor die Milchbauern. (Weiterlesen: Das Milchdrama: Viele Betriebe weichen, wenige wachsen)

Nach dem Wegfall der EU-weiten Milchquote im Jahr 2015 stürzten die Erzeugerpreise auf ungeahnte Tiefststände. Im Juni 2016 lag der Preis, den Molkereien an Bauern auszahlten, zum Teil unter 23 Cent. Als wirtschaftliche Untergrenze gelten 30 Cent. In dem Gutachten wird darauf verwiesen, dass die Zahl der Milchviehbetriebe von Mai 2016 auf Mai 2017 von 71300 auf 67319 gesunken sei. „Die verbleibenden Betriebe tragen an der krisenbedingten Schuldenlast.“

„Rolle der Milchbauern stärken“

Die Autoren des Gutachtens vom Büro für Agrar- und Regionalentwicklung aus Kassel sowie dem Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft aus Gleichen-Bremke kommen zu dem Schluss, dass sich die Regierung für die Stärkung der Milchbauern einsetzen sollte. Es bestünde ein Machtgefälle zwischen Molkereien und Bauern. Der Staat müsse dabei helfen, die Rolle der Bauern zu stärken. Eine Exportförderung für Milch macht laut Gutachten „schlichtweg keinen Sinn“. Derartige Maßnahmen würden das Preisdilemma in Krisensituationen nur stärken. (Weiterlesen: Zwei Jahre ohne Milchquote: So viele Bauern haben aufgegeben)

Die Grünen-Bundestagsfraktion sieht sich in ihrer Kritik an der Bundesregierung bestätigt. Die Bundesregierung setze weiterhin nur „auf Billigprodukte für den Weltmarkt“, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. „Das hat keine Zukunft. Wir brauchen Qualität durch artgerechte Tierhaltung, Produktvielfalt und regionale Erzeugung.“ Agrarexperte Friedrich Ostendorff sagte: „Die nächste Krise ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Statt Runde Tische zum Thema Milch zu veranstalten, müsse Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) endlich handeln. Es brauche ein robustes Frühwarnsystem und ein Krisenmanagementprogramm, das bei Preisverfall für eine Drosselung der Milchmenge auf dem Markt sorge.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN