Faktencheck Lohnt sich Riester wirklich nicht?


Osnabrück. Eine wütende Putzfrau brachte die Kanzlerin am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ in Bedrängnis. Merkel riet: Riestern. Ein wenig beliebtes Modell. Lohnt sich Riestern wirklich nicht?

Petra Vogel hatte im Streit um geringe Renten und Altersarmut Angela Merkels Vorschlag, nebenbei privat vorzusorgen, abgewiesen. „Riester würde ich sowieso nicht machen“, sagte die Bochumerin, „Davon ist nur Riester reich geworden.“ Stimmt das? Ist das Hauptprodukt, das der Staat privaten Sparern zur Aufstockung einer zunehmend unsicheren Rente anbietet, tatsächlich unattraktiv?

2015 kamen das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung und die Freie Universität Berlin in einer Studie zu dem Schluss: Fast 40 Prozent der gesamten staatlichen Riesterförderung entfallen auf die oberen 20 Prozent der Einkommensverteilung. Diejenigen, die von Altersarmut bedroht sein würden, schlossen eher keinen Riester-Vertrag ab. Das war sinnvoll, denn die zu erwartende Riesterrente wurde voll angerechnet, wenn jemand auf Grundsicherung angewiesen war. Das soll sich ab 2019 ändern.

Wenig attraktiv

Der grundsätzliche Mehrwert eines Riestervertrages ist eine sichere monatliche Zusatzrente. Trotzdem wird Riester in seiner jetzigen Form das Problem der sinkenden Renten wohl nicht lösen. Die Versicherung ist zu unattraktiv. Vielen Arbeitnehmern sind die Rechnungen zu kompliziert, und Riestern lohnt sich auch nicht für jeden. Die Zahlen sprechen jedenfalls nicht für ein besonders großes Interesse: Rund 16 Millionen Verträge gibt es in Deutschland, in viele wird nichts mehr eingezahlt.

175 Euro im Jahr vom Staat

Um alle Vorteile, also die Förderung aus Steuererleichterungen und Zulagen in voller Höhe zu erhalten, müssen Arbeitnehmer jährlich vier Prozent ihres Bruttoeinkommens einzahlen. Dann gibt es aktuell 154 Euro pro Jahr vom Staat oben drauf. Ab 2018 sollen es 175 Euro sein. Für Kinder bekommt der Sparer zusätzlich Geld: 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, 300 Euro für jüngere Kinder. Bis zu 2100 Euro der Beiträge können als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Ob sich das lohnt, muss jeweils im Einzelfall geprüft werden. Analysten gehen aber davon aus, dass sich Riester aktuell vor allem für Familien mit drei oder mehr Kindern lohnt oder für Arbeitnehmer mit einem Einkommen ab 40 000 Euro, weil diese dann eine hohe Steuerersparnis erwarten können.


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