Firmenporträt: German Oekotec Von Lotte bis Südostasien: Reinigungsmittel aus Melle gefragt

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Das Team von German Oekotec: Geschäftsführer Guido Blum (links), Vertriebsleiter Jörg Wohlsen und Geschäftsführer Produktion Burkhard Ponitz. Foto: Gert WestdörpDas Team von German Oekotec: Geschäftsführer Guido Blum (links), Vertriebsleiter Jörg Wohlsen und Geschäftsführer Produktion Burkhard Ponitz. Foto: Gert Westdörp

Melle. German Oekotec stellt Reinigungsmittel her, die für Mensch und Umwelt verträglich sind. Davon gibt es schon viele. Die Melleraner behaupten aber, ihre Produkte seien binnen eines Tages biologisch abbaubar. Davon überzeugt wurden schon das vietnamesische Gesundheitsministerium und Fußball-Drittligist Sportfreunde Lotte.

Mit dem Spruch „Nicht nur sauber, sondern rein“, warb die Schauspielerin Johanna König als Klementine in einem Werbesport für das Waschmittel Ariel. Das Versprechen können viele Unternehmen, die Reinigungsmittel produzieren, bis heute nicht halten. Sie setzen Mittel ein, die zwar für Sauberkeit sorgen, aber zugleich für Mensch und Umwelt giftig sind. Dass es auch anders geht, glaubt Burkhard Ponitz. Er hat die Rezeptur für die Reinigungsmittel von German Oekotec entwickelt und somit Klementines Spruch wahr gemacht, ist er überzeugt.

Die Verträglichkeit der Produkte von German Oekotec für Mensch und Umwelt ist mehrfach von dem Institut dermatest in Münster bestätigt worden. Die biologische Abbaubarkeit der Reinigungsmittel der Melleraner wurde vom Chemischen Laboratorium Dr. Stegemann in Georgsmarienhütte untersucht.

Die Behauptung der Melleraner, ihre Mittel seien innerhalb eines Tages biologisch abbaubar, wird in der Branche angezweifelt. „Wir setzen bewusst eine Biopflanzenseife ein, um eine komplette und schnellere Abbaubarkeit zu erreichen – im Gegensatz zu petrochemischen Tensiden. Unsere Reiniger verkleben nicht die Zellmembranen der für den Abbau zuständigen Mikroorganismen“, sagt Ponitz.

Er führt German Oekotec zusammen mit Guido Blum, kennengelernt haben sie sich vor vier Jahren. Blum leitete bis dahin ein Entsorgungsunternehmen in Melle. Bei einer Vorführung sah er, wie Ponitz den Lack eines Ford Mustang mit seiner Rezeptur säuberte. „Das Ergebnis war beeindruckend“, sagt Blum. Steine kamen ins Rollen – und sie gründeten German Oekotec.

So wie Blum müssen auch die Kunden überzeugt werden. „Wenn wir eingeladen werden, um unser Produkt zu demonstrieren, sind wir schon glücklich“, sagt Blum und erklärt, welche Hürden er und Ponitz überwinden müssen, um ihre Mittel an den Mann zu bringen: Skepsis einem neuen Produkt gegenüber; Gewohnheit, weil das alte Mittel ja immer funktioniert habe; Ignoranz, weil es Unternehmer gibt, die denken, dass durch giftige Stoffe und Dämpfe in Reinigungsmitteln erkrankte Mitarbeiter durch neue ausgetauscht werden können. Blum ist dennoch zuversichtlich: „Ein Bewusstsein für die Umwelt setzt sich nach und nach auch in Unternehmen durch.“ Allerdings dauert das.

Die Sportfreunde Lotte haben sich bereits überzeugen lassen. Dort wird mit dem Eiweißlöser Fliesen- und Fugenreiniger Careox geputzt. „Die älteren Fliesen sind bei gleichem Aufwand ab der ersten Anwendung deutlich heller und sauberer geworden“, wird Marco Prütz aus dem Marketing und Vertrieb der Sportfreunde in einer Presse-Mitteilung zitiert.

Bisweilen kommt es vor, dass sich Kunden an German Oekotec wenden, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht, erzählt Vertriebsleiter Jörg Wohlsen. Das vietnamesische Gesundheitsministerium kam auf die Melleraner zu, als Krankenhäuser in dem asiatischen Land mit Keimen verseucht und mit herkömmlichen Reinigungsmitteln nicht mehr zu bändigen waren. Ponitz erklärt, dass Mittel mit petrochemischen Zusätzen zwar oberflächlich reinigen. „Aber die Keime können in den Zwischenräumen der Schaumblasen überleben“, sagt er. Die Mittel von German Oekotec, die aus Natrium, Calcium, Magnesium, Salzen und Seifen bestehen, entziehen den Keimen den Nährboden und hinterlassen keine Ölrückstände, fügt er an.

Bei vielen Verbrauchern herrsche der Eindruck, dass Reinigungsmittel nur dann etwas taugen, wenn sie ordentlich schäumen und frisch duften, bedauert Ponitz. „Produkte ohne Duftstoffe haben begrenzte Marktchancen, da oft andere Inhaltsstoffe nicht so angenehm riechen“, sagt Ismene Jäger, die die Firma Ökologische Netze in Freiburg leitet, die kleine und mittelständische Unternehmen in Umweltfragen unterstützt.

In Südostasien ist die Frage des Dufts eher zweitrangig. In Vietnam geht es vor allem um die Wirksamkeit. Eine Delegation aus dem Land war im Oktober 2016 in Emstek bei dem Bio-Geflügel-Produzenten Biofino. Dort werden die Careox-Reinigungsmittel aus Melle seit 2014 eingesetzt. Das Gefahrenpotenzial der Verkeimung sei dort um ein Vielfaches geringer geworden, heißt es in einem Empfehlungsschreiben. Zudem konnten durch den Einsatz des Eiweißlösers die Abwasserwerte erheblich verbessert werden, was vom kommunalen Abwasserversorger in Emstek bestätigt wurde, heißt es weiter.

Der Betriebsleiter von Biofino, Siegfried Bohmann, bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel. Das neue Reinigungsmittel sei zwar zunächst teurer als andere. Mittelfristig rentiere sich die Umstellung aber. Die Lebensdauer der Maschinen mache sich durch den geringeren Verschleiß von Betriebsmitteln zum Beispiel bei Laufbändern bezahlt.


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