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Schifffahrt und Umwelt Viele Dreckschleudern, wenig Lichtblicke

Schön anzusehen, aber eine der umstrittenen „Dreckschleudern“: das Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“, hier im Hafen in Hamburg vor der Elbphilharmonie. Foto: dpaSchön anzusehen, aber eine der umstrittenen „Dreckschleudern“: das Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“, hier im Hafen in Hamburg vor der Elbphilharmonie. Foto: dpa

Osnabrück. Jede Menge Kohlendioxid, Schwefeloxide, Stickstoffoxide, schwermetallhaltige Asche: Die Umweltbelastungen durch die Schifffahrt sind groß, immer wieder stehen die „Dreckschleudern“ in der Kritik - aber ganz langsam ändert sich etwas zum Besseren.

Schneeweiße Schiffe, kristallklares Wasser, blauer Himmel, prima Stimmung an Bord – das ist die schöne Seite der Kreuzfahrtschiffe. Mit billigem, aber hochgiftigem Schweröl betriebene Schiffsmotoren, die durch riesige Schlote jede Menge Dreck in die Luft blasen – das ist die hässliche Seite. Es geht aber nicht nur um Hunderte von Kreuzfahrtschiffen, sondern auch um Tausende von Passagier- und Zehntausende von Handelsschiffen.

Die Kreuzfahrtschifffahrt boomt. 24 Millionen Menschen gingen 2016 an Bord der mehr als 300 Hochseeschiffe. Im Jahr 2030 werden es nach einer Prognose der Branche 40 Millionen sein. Europäische Werften sind ausgebucht. Der aktuelle Auftragsbestand: 75 Neubauten. Hinzu kommen unter anderem 40000 Frachtschiffe. Sie transportieren etwa 90 Prozent des weltweiten Warenverkehrs, so das Umweltbundesamt.

„Gemessen an der Transportleistung, ist die Seeschifffahrt ein vergleichsweise energieeffizientes Transportmittel“, betont das Bundesweltministerium. Große Containerschiffe stoßen dem Ministerium zufolge pro Tonnenkilometer etwa 17 Gramm Kohlendioxid (CO2) aus. „Bei einem Lkw (24–40 Tonnen) sind es dagegen rund 68 Gramm CO2 pro Tonne und Kilometer.“

Die Umweltbilanz der Schiffe wäre also gar nicht so schlecht, wäre da nicht der dreckige Treibstoff und der Ausstoß weiterer Luftschadstoffe wie Rußpartikel, Stickstoffoxide (NOx) und Schwefeloxide (SOx). Der Weltklimarat IPCC gibt den Anteil der Schifffahrt an den globalen NOx- und SOx-Emissionen mit 15 Prozent beziehungsweise 13 Prozent an.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rechnet vor, die Weltflotte von insgesamt 90000 Schiffen verbrenne pro Jahr etwa 370 Millionen Tonnen Treibstoff und blase unter anderem 20 Millionen Tonnen Schwefeloxid in die Luft. Allein die 15 größten Schiffe der Welt stoßen laut Nabu pro Jahr so viel Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos.

Zur Verminderung der Emissionen gibt es mehrere Möglichkeiten: etwa Abgasreinigung durch Katalysatoren und Rußpartikelfilter oder der vermehrte Einsatz des sogenannten Marine-Diesels, der deutlich weniger Schwefel enthält. Noch wesentlich effektiver ist der Einsatz von Flüssiggas (LNG) als Treibstoff. Erprobt werden außerdem Brennstoffzellen als Energiequelle.

Erste Kursänderungen in Richtung Umweltschutz sind bereits beschlossen. So weist der Verband deutscher Reeder darauf hin, dass der weltweite Schwefelgrenzwert für Schiffsbrennstoffe im Jahr 2020 um 86 Prozent abgesenkt wird – von 3,5 Prozent. auf dann 0,5 Prozent. In besonders ausgewiesenen Emissionskontrollgebieten (in Nord-und Ostsee sowie in Nordamerika und der Karibik) gilt bereits seit 2016 ein Grenzwert von 0,1 Prozent.

Mit herkömmlichem Schweröl sind die neuen Regeln nicht einzuhalten, ohne die Abgase aufwendig zu reinigen, so VDR-Präsidiumsmitglied Ralf Nagel gegenüber unserer Redaktion. „Nur mit Schiffsdiesel und alternativen Brennstoffen wie Flüssiggas lässt sich der Grenzwert einhalten. Bei der Verbrennung von Flüssiggas entstehen keine Schwefeloxide, kein Feinstaub, und der Stickoxid-Ausstoß wird um 80 Prozent gesenkt.“

Deutsche Kreuzfahrt- und Passagierschiffe zählen nach den Worten von Nagel beim Umweltschutz „weltweit zu den Vorreitern“. Der VDR betont, die Branche setze „auf ihren modernen Schiffen immer stärker auf alternative Brennstoffe wie Flüssiggas, Katalysatoren und Anlagen zur Abgasreinigung“.

Auf der Papenburger Meyer Werft entsteht gegenwärtig für die Rostocker Reederei AIDA Cruises das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das mit Flüssigerdgas betrieben wird. Es folgen Neubauten für Costa Crociere, Carnival Cruise Line, P & O Cruises und Disney Cruise Line, die ebenfalls einen LNG-Antrieb erhalten. Das Tochterunternehmen Meyer Turku baut für die US-Reederei Royal Caribbean International zwei Kreuzfahrtschiffe, die erstmals sowohl mit Flüssiggas als auch mit Brennstoffzellen betrieben werden. Zum Auftragsbestand gehören aber auch acht Schiffe mit Dieselantrieb.

Es bleibt im Übrigen noch die Umweltbelastung durch Zehntausende von alten Pötten – und das angesichts der langen Lebensdauer der Schiffe noch für Jahrzehnte, wie der Nabu einwendet. (Mit cass)


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