Firmenporträt: Penter Klinker Auf den Klang kommt es an: Blick ins Klinkerwerk in Pente

Von Christoph Lützenkirchen

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Blick ins Klinkerwerk. Foto: Hermann PentermannBlick ins Klinkerwerk. Foto: Hermann Pentermann

Bramsche. 15 Fußballfelder voll mit Klinkersteinen – das ist das monatliche Produktionsvolumen von Penter Klinker in Bramsche. Die Produkte gehen in alle Welt. Aber nur, wenn sie den Hörtest überstehen.

Qualitätskontrolle im Werk Bramsche-Pente des nach eigenen Angaben weltweit größten Ziegelherstellers Wienerberger: Zwei Männer stehen sich an Transportbändern gegenüber. Auf den Bändern fahren laufend Gruppen von Klinkern auf sie zu. Mit einem kleinen Hammer klopfen sie auf jeden einzelnen von ihnen. Anhand des Klangs sortieren die Männer fehlerhafte Steine aus; wer nicht perfekt klingt, wird B-Ware.

„Das ist Teil unserer Qualitätskontrolle“, erklärt Werksleiter Alfred Förster. Tradition und Moderne liegen in Pente oft dicht beieinander. Täglich stellt die Wienerberger AG in dem Werk circa 150000 Klinker her; viele früher sehr anstrengende Arbeiten werden heute von Maschinen verrichtet, doch in der Qualitätskontrolle ist das geschulte menschliche Ohr (noch) nicht zu ersetzen.

Lange Historie

Alfred Förster arbeitet seit 40 Jahren für das Bramscher Unternehmen, das bis 2006 und zuvor mehr als 100 Jahre der Familie Klostermeyer gehörte. Seit 1994 ist er Betriebsleiter. Mit dem Verkauf an die börsennotierte Wienerberger AG wolle man den Fortbestand des Standortes sichern, hieß es in einer Presseerklärung. Die 69 Beschäftigten könnten von einem sicheren Arbeitsplatz ausgehen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Wienerberger mit Sitz in Wien produziert mit knapp 16.000 Mitarbeitern an 198 Produktionsstandorten in 30 Ländern verschiedene Arten von Ziegeln, keramische Rohre und Betonflächenbefestigungen. Laut Geschäftsbericht erwirtschaftete der Konzern 2016 Umsatzerlöse in Höhe von 2,974 Milliarden Euro, das Nettoergebnis belief sich auf 82 Millionen Euro. Für das Werk in Pente weist der Bericht keine gesonderten Zahlen aus. An der Börse wurde Wienerberger zuletzt mit 2,31 Milliarden Euro bewertet.

Hörtest bestanden: Frische Klinker aus dem Penter Werk. Foto: Hermann Pentermann

Besseres Energiemanagement

Seit der Übernahme durch Wienerberger hat sich in Bramsche viel verändert. „Der Fokus wurde konsequent auf ein verbessertes Energiemanagement gerichtet“, sagt Betriebsleiter Förster. Allein die Optimierung der Trockenanlage im Jahr 2007 brachte 15 Prozent Energieeinsparung. Seit 2012 wird die Verbrennungsluft für die drei 120 Meter langen Tunnelöfen mit Abwärme vorgewärmt. Die Öfen wurden mit anderen Brennern und einer neuen Steuerung ausgerüstet. Weitere wichtige Neuerungen betrafen die Automatisierung. Mit inzwischen 44 Mitarbeitern sei die Produktionsleistung inzwischen höher als früher. Der neue Eigentümer investierte insgesamt 2,5 Millionen Euro.

Hoher Gasverbrauch

Die drei Öfen sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr in Betrieb. Sie verbrauchen täglich so viel Gas, wie ein Zweifamilienhaus im Laufe eines Jahres. Die Brenntemperatur liegt bei 1070 Grad. Jeden Monat werden in Bramsche-Pente Klinker produziert, die die Fläche von 15 Fußballfeldern bedecken würden. Die Jahresleistung beträgt circa 50 Millionen Stück. Pflasterklinker sind das Hauptprodukt des Penter Werks. Hergestellt werden aber auch Kanalklinker und kleinere Chargen Vormauerwerk. Die Rohstoffe bezieht das Werk überwiegend aus sechs Tongruben in der Umgebung. Bei der aktuellen Leistung von 1,5 Millionen Kubikmetern sei die Versorgung für weitere 17 Jahre gesichert, so das Unternehmen.

Im firmeneigenen Labor kontrollieren Industriekeramiker fortlaufend die Qualität der Ziegel. Sie sind auch für die Entwicklung neuer Produkte verantwortlich. Christian Wagner, Landschaftsarchitekt vom Büro arbos Freiraumplanung aus Hamburg, hat mit dem Penter Klinkerwerk bei der Umgestaltung einer Unterführung am Bahnhof Altona zusammen gearbeitet. „Wir haben Wienerberger als zuverlässigen und kompetenten Partner kennen gelernt“, sagt er: „Sein Sortiment an verschieden farbigen Pflasterklinkern ist besonders groß, das war ausschlaggebend. Für das Projekt hat Wienerberger Klinker in einem speziellen Riegelformat produziert.“

Ziegel für Kaliningrad

Schon aufgrund der Tonvorkommen sei der Ziegelmarkt in erster Linie regional und traditionell geprägt, erklärt Unternehmenssprecherin Alexa Uplegger. Der Hauptabsatzmarkt für Klinker aus Pente ist Deutschland, geliefert wird darüber hinaus aber in viele Länder. „Wir sind am Bau des Fußballstadions im russischen Kaliningrad beteiligt“, sagt Alfred Förster: „Nach Japan verkaufen wir besonders kleine, gelbe Klinker.“

Laut dem Betriebsleiter arbeitet das Werk mit einer Auslastung von annähernd 100 Prozent. Ein großer Teil der Mitarbeiter ist schon seit 25 Jahren im Unternehmen, der Altersdurchschnitt liegt bei 45 Jahren. Ein paar junge Kollegen würden dem Team gut tun. Aktuell sucht Förster Bewerber für die beiden Ausbildungsstellen zum Industriekeramiker und Elektroniker für Betriebstechnik. „Wir übernehmen immer alle“, verspricht er.


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