Branchenanteil nach wie vor gering Bio-Bauern bleiben in der Nische

Bio-Produkte werden seit Jahren immer beliebter – doch der Öko-Anteil an der Gesamtproduktion der deutschen Landwirtschaft stagniert auf niedrigem Niveau. Foto: dpaBio-Produkte werden seit Jahren immer beliebter – doch der Öko-Anteil an der Gesamtproduktion der deutschen Landwirtschaft stagniert auf niedrigem Niveau. Foto: dpa

dpa/AFP Berlin. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst. Doch der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland geht eher langsam voran. Viele biologisch produzierte Waren werden importiert.

dpa/AFP Wiesbaden. Biologischer Ackerbau und ökologische Tierhaltung spielen in Deutschland trotz leichter Zuwächse weiterhin eine untergeordnete Rolle – gemessen an der gesamten Landwirtschaft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im vergangenen Jahr lediglich fünf Prozent des gesamten deutschen Viehbestands ökologisch gehalten.

Die ökologisch bewirtschaftete Ackerfläche stieg gegenüber dem Jahr 2013 um neun Prozent auf 478500 Hektar, wie die Wiesbadener Behörde am Freitag mitteilte. Gemessen am gesamten deutschen Ackerland lag der Anteil bei vier Prozent. Auf mehr als der Hälfte (51 Prozent) der Öko-Fläche wurde Getreide angebaut, darunter vor allem Weizen.

Insgesamt wurden etwa 1,136 Millionen Hektar Fläche ökologisch bewirtschaftet – dazu zählen beispielsweise auch Wiesen für die Weidewirtschaft. Ackerland machte den Angaben zufolge etwa 42 Prozent der gesamten Bio-Fläche aus.

Kaum Öko-Schweine

Bei den Tieren werden relativ gesehen vor allem Rinder ökologisch gehalten. Zum Stichtag 1. März 2016 waren es 700400 Tiere oder fast sechs Prozent des gesamten deutschen Bestands. Bei den Schweinen lag der Anteil mit 196100 Tieren bei weniger als einem Prozent. Zudem gab es rund 6,5 Millionen Öko-Hühner – ein Anteil von rund vier Prozent.

Nach früheren Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden im vergangenen Jahr auf 1,251 Millionen Hektar Bio-Lebensmittel erzeugt. Der Anteil des Ökolandbaus insgesamt lag bei 7,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Die Zahlen weichen von denen der Wiesbadener Behörde etwas ab. Die Statistiker erfassten bei der Agrarstrukturerhebung nur Betriebe mit einer gewissen Mindestgrößte.

Die Zahl der Biobetriebe stieg nach Angaben des Ministeriums um 9,6 Prozent auf 27132. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) strebt an, dass auf mittlere Sicht ein Fünftel der Agrarflächen in Deutschland ökologisch bewirtschaftet wird. Der wachsende Bedarf an Bio-Lebensmitteln soll nach Maßgabe der Bundesregierung stärker durch heimische Öko-Produkte abgedeckt werden. Dazu will sie unter anderem Förder- und Forschungsgelder aufstocken. Ein großer Teil der in Deutschland angebotenen Bioprodukte stammt derzeit aus dem Ausland.

„Watsche für Schmidt“

Die Grünen sprachen von einer „deftigen Watsche“ für Schmidt. Um der steigenden Nachfrage der Verbraucher nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln nachzukommen, müsse die Agrarförderung umgeschichtet werden, forderte Parteichefin Simone Peter. „Eine Milliarde Euro könnte jedes Jahr zusätzlich in den Ökolandbau fließen, wenn der politische Wille für eine echte Agrarwende bestünde.“

Greenpeace beklagte, dass noch immer 99 Prozent der Schweine „unter miserablen und zum Teil rechtswidrigen Bedingungen in den Ställen vegetieren“ müssten. Nur so lasse sich das beliebte Billigfleisch der Discounter herstellen, so die Umweltschutzorganisation. Die kommende Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass es sich auch wirtschaftlich lohne, Tiere artgerechter und umweltverträglicher zu halten.