Bedingungen für Mitarbeiter verbessert Fleischbranche kämpft gegen schlechtes Image

Von Joachim Göres

Drei Jahre nach Einführung des Mindestlohns in der Fleischwirtschaft arbeiten Beschäftigte dort laut Arbeitnehmervertretern unter besseren Bedingungen. Foto: dpaDrei Jahre nach Einführung des Mindestlohns in der Fleischwirtschaft arbeiten Beschäftigte dort laut Arbeitnehmervertretern unter besseren Bedingungen. Foto: dpa

Hannover. Die Fleischbranche hat nach Ansicht der Gewerkschaft schon seit Langem ein miserables Image. Mindestlohn und Selbstverpflichtung der Branchengrößen hätten die Lage aber verbessert.

Miese Bezahlung, harte Arbeit, unzumutbare Unterkünfte für osteuropäische Arbeiter – die Fleischindustrie hat nicht den besten Ruf. Um das Image aufzubessern, einigten sich vor drei Jahren Unternehmen und Gewerkschaft auf einen Mindestlohn, der derzeit in ganz Deutschland 8,75 Euro beträgt und auch für ausländische Arbeitskräfte in dieser Branche gilt. „8,75 Euro die Stunde steht heute auf jedem Lohnzettel. Doch die Unternehmer müssen ihre Beschäftigten nicht darüber informieren, welche Arbeitszeit sie erfassen. So können leicht zu wenig Stunden abgerechnet werden“, sagt Armin Wiese, als Sekretär für die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in der Region Detmold-Paderborn tätig.

Weiterlesen: Immer mehr Tiere aus dem Ausland in deutschen Schlachthöfen

Gesetz soll Bedingungen verbessern

Wiese war am Mittwoch einer von 40 Teilnehmern einer NGG-Konferenz in Hannover. Dabei ging es neben dem Mindestlohn um das seit kurzem gültige Gesetz zur Sicherung von Arbeitnehmerrechten in der Fleischwirtschaft. „Es hat sich einiges verbessert, es gibt z.B. weniger fristlose Kündigungen“, sagt Katarzyna Zentner von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Hannover, die ausländische Arbeitskräfte in Schlachthöfen und fleischverarbeitenden Betrieben unterstützt. Doch die Liste der Verstöße gegen geltendes Recht durch Subunternehmer, die für deutsche Fleischkonzerne arbeiten, bleibt laut Zentner lang: Sie kennt zahlreiche Fälle, in denen Arbeitsunfälle nicht gemeldet werden, es weder Urlaubsgeld noch Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall gibt, bei Krankheit oder Schwangerschaft gekündigt wird, Beschäftigte ohne ihr Wissen bei der Krankenkasse abgemeldet werden oder Druck ausgeübt wird, damit Mitarbeiter von sich aus kündigen. „Es gibt mafiöse Strukturen. Subunternehmen werben Menschen vor allem in Rumänien und Bulgarien an, die nicht Deutsch sprechen, damit sie sich nicht dagegen wehren“, sagt Zentner.

Weiterlesen: Gesetz gegen Ausbeutung von Schlachtern in Fleischbranche

Michael Andritzky, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Ernährungswirtschaft Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt, zeichnet ein anderes Bild. Nach seinen Angaben gibt es eine Selbstverpflichtung von 19 großen Schweineschlachtbetrieben, ausländische Arbeitnehmer nach deutschem Recht zu beschäftigen, wodurch sie Anspruch auf Arbeitslosen- und Krankengeld bekommen. Auch wollen diese Betriebe Mitarbeiter, die mit einem Werkvertrag für Subunternehmer gearbeitet haben, vermehrt als Stammkraft im eigenen Unternehmen übernehmen. „Die Zahlen zeigen, dass dies auch geschieht“, sagt Andritzky.

„Zweitwichtigster Wirtschaftsbereich“

Aus Sicht von Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gibt es keine Alternative zu besseren Arbeitsbedingungen: „In Niedersachsen ist die Agrar- und Ernährungsbranche der zweitwichtigste Wirtschaftsbereich. Wir müssen uns fragen, was passiert, wenn Arbeitskräfte aus Osteuropa nicht mehr zu uns kommen, sondern in attraktivere Branchen und Regionen gehen.“

In der fleischverarbeitenden Industrie sind in Deutschland 162000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon kommt rund ein Viertel aus dem Ausland. Der monatliche Bruttolohn lag 2016 bei durchschnittlich 1998 Euro. Rund 40 Prozent der Beschäftigten haben einen Werkvertrag, der meist sechs Monate läuft und z.B. bei Krankheit nicht verlängert wird.