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19.07.2017, 17:18 Uhr MARKE MUSS AUTHENTISCH BLEIBEN

Harley-Davidson gehen Kunden aus

Kommentar von Marcus Tackenberg

Spielzeug für die Ü-50-Fraktion: Ein Biker cruist mit seiner Harley-Davidson durch Lugano, wo sich Anfang Juli Hunderte Harley-Fahrer trafen. Foto: dpaSpielzeug für die Ü-50-Fraktion: Ein Biker cruist mit seiner Harley-Davidson durch Lugano, wo sich Anfang Juli Hunderte Harley-Fahrer trafen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Verkaufszahlen des US-Motorradherstellers Harley-Davidson fielen im ersten Halbjahr 2017 weltweit um fast sechs Prozent, der Umsatz um fast zehn Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro). Der Gewinn brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 445 Millionen Dollar ein, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

„Wir verkaufen einen Lebensstil – das Motorrad gibt es gratis dazu“, lautet bis heute das Credo der Harley-Davidson-Geschäftsführung. Ein genialer Slogan, doch allein auf seinem Kultstatus kann sich der US-Motorradhersteller schon lange nicht mehr ausruhen. Denn die „Easy-Rider“-geprägte, männliche Kundschaft, die mit ihrer Harley Freiheit und Abenteuer verbindet, vergreist zusehends.Ein jüngeres Publikum konnte trotz Marketing-Kampagnen nicht entscheidend dazugewonnen werden.

Hinzu kommt, dass die billiger produzierende Konkurrenz vor allem aus Japan der „American-Way-of-Life“-Marke das Leben schwer macht. Da mag US-Präsident Donald Trump noch so sehr toben, aber seine Forderung, Harley allein in den Staaten zu bauen, wäre der Todesstoß für das Traditionsunternehmen. Daher war die kürzliche Eröffnung eines Werkes in Thailand unumgänglich. Voraussetzung ist, dass auch die Qualität stimmt. Mehrmals in den vergangenen Jahren war Harley jedoch von teuren Rückruf-Aktionen betroffen.

Gerüchten zufolge ist das Unternehmen aus Milwaukee am Kauf der italienischen Marke Ducati interessiert. Die Rennmaschinen passen allerdings so gar nicht ins Portfolio. Harley muss authentisch bleiben – das schließt weibliche Kunden keinesfalls aus. Mit neuen Modellen, die ab Herbst auf den Markt kommen, könnte die Wende gelingen - und muss es auch.


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