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14.07.2017, 16:01 Uhr KOMMENTAR ZUR TARIFEINIGUNG

McJobs: Kein Grund zum Meckern

Kommentar von Katharina Ritzer

Angestellte in der Systemgastronomie wie dieser Mitarbeiter einer McDonalds-Filiale erhalten künftig mehr Lohn. Ein gutes Ergebnis für die Arbeitnehmer, gut aber auch für die Gesellschaft. Foto: imago/Marco StepniakAngestellte in der Systemgastronomie wie dieser Mitarbeiter einer McDonalds-Filiale erhalten künftig mehr Lohn. Ein gutes Ergebnis für die Arbeitnehmer, gut aber auch für die Gesellschaft. Foto: imago/Marco Stepniak

Osnabrück . Wer bei Starbucks Kaffee zubereitet oder bei McDonald’s Burger brät, bekommt ab August mehr Geld. Der neue Tarifvertrag ist nicht nur für die rund 100.000 Beschäftigten der Systemgastronomie eine gute Nachricht, sondern auch für die Gesellschaft. Ein Kommentar.

Um es mit dem unseligen CDU-Generalsekretär Peter Tauber zu sagen: Wer etwas Ordentliches gelernt hat, der muss keinen McJob in der untersten Lohnklasse annehmen. Trotzdem ist es gut, dass es diese einfachen Jobs gibt, die den Löwenanteil der 100.000 Arbeitsplätze in der deutschen Systemgastronomie ausmachen, und das aus zwei Gründen: Erstens haben Ungelernte so überhaupt eine Chance auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Und zweitens können die vielen Teilzeit-Jobber ihre Arbeit mit sonstigen Pflichten wie der Kindererziehung oder der Pflege in der Familie gut verbinden.

Der Weg zum neuen Tarifvertrag war kein leichter, mit dem Ergebnis können nun aber beide Seiten leben: Die Gewerkschaft hat ihre Forderung von neun Euro Einstiegsgehalt durchgesetzt, die Arbeitgeber können wegen der langen Laufzeit bis Ende 2019 verlässlich planen. Und von den Lohnerhöhungen zwischen 7,3 und 8,7 Prozent profitiert indirekt auch die Gesellschaft – je mehr die Mitarbeiter verdienen, desto geringer ist das Risiko der Altersarmut, die später mit Steuergeld aufgefangen werden muss. Die Richtung stimmt also.

Wer nun reflexartig über die „nur“ neun Euro meckert, die ja „nur“ 16 Cent über dem Mindestlohn liegen, dem sei der Blick nach Süddeutschland empfohlen: Hier zahlen McDonald’s, Burger King & Co auch jetzt schon deutlich über Tarif, weil sie sonst schlicht keine Mitarbeiter mehr finden würden. Am Ende weist eben der Markt den Weg.


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