Firmenporträt: Lebensbaum-Gruppe Vom Naturkostladen zum Marktführer bei Bio-Tees

Von Christoph Lützenkirchen

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Ein Teefeld, auf dem für das Diepholzer Unternehmen Lebensbaum produziert wird. Foto: LebensbaumEin Teefeld, auf dem für das Diepholzer Unternehmen Lebensbaum produziert wird. Foto: Lebensbaum

Diepholz. Kein Märchen: Aus einem Diepholzer Naturkostladen baute Ulrich Walter innerhalb von 38 Jahren die Firma Lebensbaum auf, ein Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern und zuletzt 63,5 Millionen Euro Jahresumsatz. Walter ist gelernter Diplompädagoge und Schifffahrtskaufmann. Lebensbaum ist deutscher Marktführer für Tee, Kaffee und Gewürze aus kontrolliert biologischem Landbau.

Wie ist es möglich, dass ein branchenfremder Quereinsteiger in der niedersächsischen Provinz – gewissermaßen aus dem Nichts – ein solches Unternehmen aufbaut? Die Antwort: Mit Hilfe der klassischen unternehmerischen Tugenden des deutschen Mittelstands. Walter kann delegieren, zuhören und schnell entscheiden. Michael Radau, Vorstandsvorsitzender der SuperBioMarkt AG aus Münster, sagt über seinen langjährigen Geschäftspartner und dessen Unternehmen: „In Sachen Qualität kann man ihm nichts vormachen, da hat er einen bemerkenswerten Sensus. Die Angebotsvielfalt von Lebensbaum ist beachtlich, dennoch ist das Unternehmen innovationsfreudig und entwickelt laufend neue Produkte.“

Ausgezeichnet

Die Preise, die Ulrich Walter für sein Lebenswerk erhalten hat, sprechen für sich. Im Jahr 2013 zeichnete ihn die Beratungsgesellschaft Ernst & Young für seine unternehmerische Leistung als „Entrepreneur oft the year“ aus, im Folgejahr erhielt Lebensbaum den CSR-Preis der Bundesregierung. Mit diesem Preis werden Unternehmen ausgezeichnet, die ökonomisch ökologisch und sozial verantwortlich Wirtschaften. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis folgte 2015; dessen Jury lobte unter anderem die langfristigen Partnerschaften von Lebensbaum mit Erzeugern, die Verwendung hochwertiger Biorohwaren und die CO2-neutrale Produktion.

Der 67-jährige Walter stammt aus der Region Diepholz. Als er 1979 an den Start geht, fällt ihm auf, dass bestimmte Produktgruppen nicht in Bio Qualität erhältlich sind. Er beginnt, mit heimischen Kräutern und Küchengewürzen zu handeln, später kommen Schwarztees und Kaffee hinzu. Im Laufe der Jahre entsteht eine Firmengruppe, die mittlerweile auch den Standort Gronau mit der 2011 übernommenen Kaffeerösterei Niehoff umfasst. Die Produkte der Marke Lebensbaum werden über den Naturkost Fachhandel vermarktet. Zusätzlich dazu produziert Lebensbaum für andere bekannte Bio-Firmen. Weitere Kunden sind Großverbraucher, wie Kantinen und Mensen oder Industriekunden. „Wir sind kein Lohnabfüller, wir produzieren selbst“, das ist Ulrich Walter ganz wichtig.

Die Tochter steht bereit

Tee-Test für Lebensbaum. Foto: Lebensbaum

Die verschiedenen Tochterunternehmen firmieren unter dem Dach der Muttergesellschaft AUWA Holding. Für das Geschäftsjahr 2015 weist die Holding Umsatzerlöse in Höhe von 63,5 Millionen Euro aus, davon entfielen 95 Prozent auf den deutschen Markt. Mit einem Anteil von 40 Prozent sind Tees die wichtigsten Produkte des Unternehmens, es folgen Kaffee mit 29 Prozent und Gewürze mit 18 Prozent. Bei einer Bilanzsumme von 65 Millionen Euro belief sich das Eigenkapital auf knapp 41 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt damit bei komfortablen mehr als 60 Prozent. Das Konzernjahresergebnis sprang im Jahr 2015 von 5,8 Millionen Euro im Vorjahr auf 15,9 Millionen Euro. Davon entfielen allerdings 12,6 Millionen Euro auf einen Sondereffekt. Ulrich Walter, bis zu diesem Zeitpunkt Alleineigentümer von Lebensbaum, verkaufte Anteile seines Unternehmens an einen unbekannten Minderheitsgesellschafter. Wenn der Gründer sich eines Tages zurückzieht, soll der Walters Tochter Maren bei der Fortführung des Familienunternehmens unterstützen.

40 Millionen Euro investiert

Die Verantwortung für das operative Geschäft hat der vorausschauende Unternehmer bereits vor einigen Jahren an seinen Geschäftsführer Achim Mayr übertragen. Von endgültigem Rückzug kann vorläufig allerdings noch keine Rede sein. Ulrich Walter nimmt sich die Zeit und führt selbst durch die topmoderne Produktion in Diepholz. Dort hat er in den letzten 16 Jahren circa 40 Millionen Euro investiert. Mit Hilfe von computergesteuerten Maschinen werden hier Rohstoffe aus insgesamt 40 Ländern verarbeitet. Ulrich Walter lobt den Standort Diepholz: „Hier gibt es Gewerbeflächen und sie sind bezahlbar. Außerdem ist die Verkehrsanbindung gut. In einer Stunde fährt man nach Osnabrück, Bremen oder Hannover und erreicht gleich drei Flughäfen.“


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