6,4 Milliarden Euro ausgezahlt EU-Agrarsubventionen: Das waren 2016 die Top-Empfänger

2016 war gezeichnet durch die schwere Milchkrise. Das zeigt sich bei den Agrarsubventionsempfängern: Die größten Summen erhielten Molkereien in Deutschland. Foto: dpa2016 war gezeichnet durch die schwere Milchkrise. Das zeigt sich bei den Agrarsubventionsempfängern: Die größten Summen erhielten Molkereien in Deutschland. Foto: dpa

Osnabrück. Wer hat 2016 wie viel EU-Agrarsubventionen erhalten? Neue Zahlen zeigen: Top-Empfänger waren wieder einmal nicht die Landwirte. Größter Profiteur im Jahr der schweren Milchkrise war eine Molkerei.

Das geht aus der jetzt veröffentlichten Liste mit insgesamt 331.000 Empfängern in Deutschland hervor. Laut Bundesagrarministerium flossen insgesamt 6,4 Milliarden Euro aus Brüssel in die Bundesrepublik. 151 Empfänger erhielten dabei mehr als eine Million Euro. Die größte Summe von allen erhielt Milchmarktführer DMK aus Zeven mit 21,64 Millionen Euro.

Unter den Top Zehn der Subventionsempfänger in Deutschland finden sich insgesamt sechs Molkerei-Unternehmen: Die Molkerei Ammerland aus Wiefelstede (13,39 Millionen Euro), Interfood aus den Niederlanden (9,44 Millionen Euro), Fude und Serrahn aus Hamburg (6,34 Millionen Euro), Ostmilch Handels GmbH aus Bad Homburg (6,03 Millionen Euro), den Milchproduktehändler Eximo aus Hamburg (6,2 Millionen Euro) sowie die zum Müller-Konzern gehörende Sachsenmilch Gmbh aus Leppersdorf (5,68 Millionen Euro).

Kampf gegen Milchkrise

Warum aber haben die Molkereien so viel Geld aus Brüssel erhalten? Weil die EU-Kommission mit einem ganzen Maßnahmenpaket in den vergangenen Monaten versucht hat, die Milchkrise zu bekämpfen. Auslöser des Preissturzes war ein Überangebot an Milch auf dem europäischen Markt. Deswegen sollte die Menge durch staatliche Lenkung reduziert und der Erzeugerpreis stabilisiert werden. (Weiterlesen: Das Milchdrama: Viele Betriebe weichen, wenige wachsen)

So lässt Brüssel im großen Stil noch bis September haltbare Milchprodukte wie Pulver oder Käse aufkaufen und einlagern – die sogenannte öffentliche Intervention. Nach Zahlen der Kommission sollen allein 2016 europaweit so 334.551 Tonnen Milchpulver vom Markt genommen worden sein – davon 62.110 Tonnen in Deutschland. Zudem förderte die EU private Lagerhaltung, wenn also Molkereien ihre Milchprodukte zunächst einlagerten. Die Molkereien profitieren davon zum Teil in Millionenhöhe, wie die Veröffentlichungen jetzt zeigen. Ein DMK-Sprecher bestätigte unserer Redaktion: „Die EU hat Milchpulver im Wert von mehreren Millionen Euro von uns aufgekauft.“

Hans Foldenauer, Sprecher beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, verwies darauf, dass das Milchpulver irgendwann zurück auf den Markt käme und Preise beeinflusse. „Das hängt wie ein Klotz am Bein des Milchmarktes“, so Foldenauer.

Über diese Sonderzahlungen hinaus zeigt sich bei den Subventionszahlungen das selbe Bild wie bereits in den Vorjahren: Vor allem der Staat gehörte zu den Spitzenempfängern. So komplementieren die Top-Zehn der Großempfänger der schleswig-holsteinische Landesbetrieb für Küstenschutz (knapp 17 Millionen Euro), der Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt (13,2 Millionen Euro) und das Agrarministerium in Mecklenburg-Vorpommern (5,27 Millionen Euro).

Die Empfänger in Weser-Ems

Auch in der Region West-Niedersachsen und Bremen taucht unter den Spitzenempfängern kein Landwirt auf. Hinter DMK und der Molkerei Ammerland folgen die Gartenbauzentrale aus Papenburg (2,38 Millionen Euro), der Erzeugergroßmarkt Langenförden (ELO) aus Vechta (2,37 Millionen Euro), die Pilzland Vertriebs GmbH aus Visbek (knapp 2 Millionen Euro), das Unternehmen Meyer Gemüseverarbeitung aus Twistringen (1,3 Millionen Euro) und der Schlachthof Danish Crown in Essen (1,11 Millionen Euro).

Die Subventionsempfänger können unter der Adresse www.agrar-fischerei-zahlungen.de eingesehen werden. Unter Landwirten ist das umstritten, weil seit 2015 wieder jeder einsehen kann, wie hoch die Agrarsubventionen waren, die ihr Betrieb erhalten hat. Bauernpräsident Joachim Rukwied erhielt demnach gut 88.500 Euro. (Weiterlesen: EU-Agrarsubventionen 2015: Die Top-Empfänger in der Region)


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