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„Anwendung ist vertretbar“ Agrarminister Schmidt: EU muss Glyphosat verlängern

Ein Landwirt versprüht auf einem Feld im brandenburgischen Sieversdorf (Oder-Spree) ein Pestizid. Foto: dpaEin Landwirt versprüht auf einem Feld im brandenburgischen Sieversdorf (Oder-Spree) ein Pestizid. Foto: dpa

Berlin. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat die EU-Kommission aufgefordert, die Genehmigung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zu verlängern.

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte der CSU-Politiker: „Es ist vertretbar, Glyphosat anzuwenden. Das sagen alle wissenschaftlichen Untersuchungen der zuständigen deutschen und europäischen Behörden und das sollte Maßgabe für die Entscheidung sein.“

Die Politik müsse nach belastbaren Gesichtspunkten entscheiden und dürfe sich nicht von emotionalen Stimmungen leiten lassen. „Ich sehe rechtlich keine Grundlage, die erneute Genehmigung von Glyphosat zu verweigern“, betonte Schmidt.

Grüne: Glyphosat-Minister

Kritik kam am Freitag von den Grünen im Bundestag. Abgeordneter Harald Ebner sagte: „Christian Schmidt will offenbar unbedingt als Glyphosat-Minister in die Geschichte eingehen, wenn er schon sonst nichts vorzuweisen hat am Ende seiner Amtszeit.“ Der Grünen-Politiker bezeichnete es als unverantwortlich, dass Schmidt für das „Ackergift“ in die Offensive gehe.

Ebner befürchtet zudem, dass das Bundesumweltministerium von Barbara Hendricks (SPD) keinen Widerstand gegen Glyphosat leisten könnte. So interpretiert er zumindest einen Twitterbeitrag des Ministeriums. Ebner über Hendricks: „Nach ihrer flotten Bauernregel-Dichterei hätten wir etwas mehr Mumm von ihr erwartet.“

Glyphosat-Einsatz in Deutschland. Grafik: dpa

Mehr Soja-Importe?

Der Agrarminister verwies derweil auf die nationale Eiweißpflanzenstrategie: Statt Soja zu importieren, sollen laut Schmidt mehr Erzeugnisse von deutschen Äckern verwendet werden. Der Minister sagte: „Mit der Entscheidung des Europaparlaments, den Pflanzenschutzmitteleinsatz auf ökologischen Vorrangflächen einzuschränken, riskieren wir einen drastischen Rückgang des Eiweißpflanzenanbaus in Deutschland.“

Die Folge könnte laut Schmidt sein, dass künftig der Eiweiß-Bedarf durch Importe gedeckt wird. „Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht. Wir haben einen hohen Sojabedarf in Deutschland, wenn wir uns aber vom Import abhängig machen, haben wir kaum Einfluss auf die Anbaubedingungen.“

Die EU-Kommission wird noch in diesem Jahr über die Verlängerung von Glyphosat für vermutlich zehn Jahre entscheiden. Experten und Umweltschützer streiten über die Risiken des Unkrautvernichters. (Weiterlesen: Was Hobbygärtner über Glyphosat wissen sollten)


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