Vergütungen nicht abgeführt Ärger um Verdi-Arbeitnehmervertreter bei der EWE

Der Konzern kommt nicht zur Ruhe: Nun gibt es Ärger unter den Gewerkschaftsmitglieder im Aufsichtsrat. Foto: dpaDer Konzern kommt nicht zur Ruhe: Nun gibt es Ärger unter den Gewerkschaftsmitglieder im Aufsichtsrat. Foto: dpa

Osnabrück. Erneut gibt es Unruhe bei der EWE. Offenbar haben Verdi-Mitglieder im Aufsichtsrat gegen Regelungen ihrer Gewerkschaft verstoßen und Vergütungen nicht abgeführt.

Sechs Mitglieder der Gewerkschaft Verdi, die als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Oldenburger Energiekonzerns sitzen, haben laut einem Bericht der „Nordwest-Zeitung“ ihre Aufsichtsratvergütungen offenbar jahrelang in die eigene Tasche gesteckt, statt sie gemäß der Verdi-Richtlinien in Teilen an Einrichtungen der Gewerkschaft abzuführen. Dadurch entgehe diesen jährlich ein sechsstelliger Betrag.

Der Hintergrund: Verdi-Mitglieder, die in Aufsichtsräten sitzen, müssen Teile ihrer Vergütung an die Hans-Böckler-Stiftung und die Verdi-Gewerkschaftspolitische Bildung gGmbH abführen. Die Höhe der Abführungen ist gestaffelt: Laut Verdi-Richtlinien sind bis zu einem bestimmten, von der Aufsichtsratstätigkeit abhängigen Sockelbetrag 10 Prozent der Vergütungen abzuführen; von darüber hinausgehenden Vergütungen 90 bis 100 Prozent. Bei der EWE beträgt die Vergütung für Aufsichtsratsmitglieder mindestens 20.000 Euro im Jahr.

Kein Einzelfall

Ein Einzelfall ist das nicht, und bekannt ist das Problem auch: Verdi selbst berichtet für das Jahr 2012 von 2376 Mitgliedern, die in Aufsichts- oder Verwaltungsräten tätig gewesen sind. Von ihnen hätten 404 gegen die Abführungsverpflichtungen verstoßen. Der Anteil derjenigen, die sich regelkonform verhalten habe, sei im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent auf 83 Prozent gestiegen, heißt es lapidar in der Positivliste.

Der NWZ erklärten die sechs Aufsichtsratsmitglieder, dass ihrer Ansicht nach keine Abführungsverpflichtung bestanden habe, da sie „nicht auf der Verdi-Liste für den Aufsichtsrat bei der EWE AG kandidiert“ hätten. Das sieht die Gewerkschaft selbst anders: Die Verpflichtung gelte für alle Mitglieder, unabhängig davon, wie sie ihr Mandat erlangt hätten. Nun solle „zeitnah gemeinsam eine gewerkschaftsinterne Lösung“ gefunden werden, berichtet das Blatt. Der Konzern selbst hält sich heraus, würde aber „eine rasche Klärung des Sachverhaltes begrüßen“, wird ein Sprecher zitiert. (Weiterlesen: Entlassung des EWE-Vorstandschefs hat juristisches Nachspiel)


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