Drohende Werksschließungen Homann-Krise: Müller führt mit harter Hand

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Osnabrück. Die Unzufriedenheit an der Spitze der Molkereigruppe Müller mit ihrer Tochter Homann Feinkost schwelt schon lange. Mit der Produktionsverlagerung von Niedersachsen nach Sachsen plant der Konzern einen harten Schnitt. Schlechte Zahlen passen nicht zu Müllers Wachstumsambitionen.

Gemessen an der Unternehmensgruppe Theo Müller ist Homann ein Zwerg. Die 27.000 Mitarbeiter des von Milchbaron Theo Müller zusammengekauften Lebensmittelkonzerns erwirtschaften im Jahr mehr als sechs Milliarden Euro. Müller belegt auf einer Rangliste der niederländischen Rabobank Platz eins unter den deutschen Molkereiunternehmen und Platz 15 auf dem Weltmarkt.

Zu Müller mit Konzernsitz in der Steueroase Luxemburg gehören Milchverarbeiter in mehreren europäischen Ländern. Sein Vertriebsmarkt reicht über Russland bis nach China und Japan. Müller-Gesellschaften verarbeiten auch Fische und Früchte. Seit 2011 produziert unter dem Konzerndach auch Homann Feinkost, Deutschlands Marktführer bei Fertigsalaten, zu dem die Marken Nadler, Weser-Feinkost und Rügen-Feinkost (Fischprodukte) gehören.

Werke in Großbritannien geschlossen

Dass Homann beim Profit schwächelt, verträgt sich nicht mit dem Ehrgeiz des seit 2003 in Zürich lebenden Patriarchen Theo Müller. Sein Vermögen wird vom amerikanischen Magazin „Forbes“ auf knapp vier Milliarden Euro geschätzt. Theo Müller kündigte 2015 an, den Umsatz der Molkereigruppe binnen fünf Jahren durch weitere Zukäufe auf zehn Milliarden Euro zu verdoppeln, wie die „Süddeutsche Zeitung“ damals berichtete.

Unternehmensteile, die nicht die gewünschten Zahlen liefern, macht das Müller-Management, das von Bayern aus operiert, ohne langes Zögern zu oder stößt sie ab: Im vergangenen Jahr schloss der Konzern zwei Werke in Großbritannien. 2015 zog er sich aus einem Gemeinschaftsunternehmen für Joghurtprodukte mit dem US-Getränkeriesen Pepsico zurück. Medienberichten zufolge will Müller sich zudem von der Fischrestaurantkette Nordsee trennen.

Druck im Konzern auf Homann

Um Homann steht es nach Aussage der Konzernleitung zufolge gar nicht gut. Von einer „Krise des Unternehmens, die durch scharfen Wettbewerb auf dem Feinkost-Markt und mangelnde Entwicklungs- und Synergie-Potentiale an den vier genannten Produktionsstätten entstanden ist“, schreibt sie in ihrer Mitteilung zur geplanten Verlegung nach Sachsen.

Die Homänner, die zu Müller kamen, als Eigner Heiner Kamps sich selbst und sein Lebensmittelmarken-Konglomerat in die Müller-Gruppe einbrachte, fanden trotz Sparprogrammen und Managerwechseln nicht zu zufriedenstellender Profitabilität. Kamps gelang es nicht, Müllers zersplitterte Feinkostsparte zu konsolidieren. Spätestens zum Dienstantritt des damals neuen Müller-Topmanagers Chefs Ronald Kers vor zwei Jahren musste man bei Homann damit rechnen, dass der Druck im Konzern noch einmal steigen würde: „Es kann nicht mehr sein, dass die Feinkost-Sparte Homann ganz anders plant als Nordsee oder die Kollegen in den USA“, zitierte ihn das „Handelsblatt“.

Nun ist klar, wer die Konsequenzen aus Homanns Schwierigkeiten tragen soll: Bis zu 1200 Mitarbeiter an den niedersächsischen Produktionsstandorten Dissen und Lintorf werden voraussichtlich ihre Jobs verlieren.

Fördergelder für Sachsenmilch-Modernisierung

Zugleich besteht weiterhin der der aus der niedersächsischen CDU geäußerte Verdacht, dass Müller beim geplanten Homann-Umzug nach Leppersdorf in Sachsen üppige Subventionen kassiert. Hilfe nimmt der Konzern durchaus an: Nach einem Bericht des „Spiegel“ erhielt Müller über Tochtergesellschaften für die Modernisierung des 1994 erworbenen Sachsenmilch-Werks in Leppersdorf Landes- und EU-Förderung in Höhe von rund 70 Millionen Euro.

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