Fracking-Pläne für Niedersachsen Öl und Gas: Wintershall hofft auf höhere Preise

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sha Kassel. Der in Niedersachsen aktive Öl- und Gasförderer Wintershall erwartet nach einem drastischen Gewinneinbruch 2016 wieder eine deutliche Steigerung bei Umsatz und operativem Ergebnis (Ebit). Im Landkreis Diepholz will er so bald wie möglich mit dem Fracking beginnen.

Wintershall-Vorstandschef Mario Mehren rechnet für 2017 mit fünf Prozent mehr Umsatz und einer Ebit-Steigerung um zehn Prozent. Im Vorjahr war der Umsatz der Kasseler BASF-Tochter um 79 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gesackt, das Ebit um 62 Prozent auf 517 Millionen Euro. Grund waren niedrige Öl- undGaspreise und ein Tauschgeschäft mit  dem russischen Öl-  und Gaskonzern Gazprom. Wintershall hat sein Gashandelsgeschäft an Gazprom abgetreten und dafür zusätzliche Anteile sibirischen Lagerstätten erhalten.

„Massive Preiseinbrüche“

An dem starken Ergebnisrückgang änderte auch das Rekordproduktionsvolumen von 165 Millionen BOE-Öleinheiten nichts, das Holding-Chef  Mario Mehren am Mittwoch in Kassel verkündete. Die Größeneinheit BOE steht für die in Ölfass gemessene Energieausbeute bei Öl- und Gas. „Die massiven Preiseinbrüche der vergangenen zwei Jahre belasten uns“, sagte Mehren bei der Präsentation der Jahresbilanz. Doch in dem schwierigen Marktumfeld habe sich Wintershall unter anderem durch Effizienz und durch Kostensenkungen von 200 Millionen Euro besser behauptet als alle Wettbewerber. Nun hofft das Management auf steigende Öl- und Gaspreise.

Bis 2018 will Wintershall seine Produktion auf 190 Millionen BOE steigern. Künftig gelte die Strategie: „Statt auf Handel und auf Speicher konzentrieren wir uns auf Produktion und Pipelines“, sagte Mehren. In den kommenden Jahren werde man vor allem die Förderung in Russland, Argentinien und Norwegen ausbauen. Bis 2021 will Wintershall insgesamt 4,4 Milliarden Euro investieren.

Fracking wieder ab 2018?

In Deutschland, wo Wintershall vor allem in Niedersachsen Öl und Gas aus der Erde holt, will das Unternehmen möglichst bald wieder die Fracking-Methode in der konventionellen Erdgasförderung einsetzen. Auf Grundlage des im Februar in Kraft getretenen neuen Fracking-Gesetzes wolle man bei Barnstorf im Landkreis Diepholz zügig damit beginnen, sagte Wintershall-Vorstandsmitglied Martin Bachmann. „Die Bohrung Düste Z 10 wartet darauf, gefrackt zu werden.“ Düste Z 10 liegt seit fünf Jahren brach. Derzeit erarbeitet das Landesamt für Bergbau, Energie und  Geologie konkrete Vorgaben. Auf deren Basis will Wintershall der Behörde in diesem Jahr einen entsprechenden Betriebsplan zur Genehmigung vorlegen. Bachmann sagte, er hoffe, dass die Fracking-Arbeiten 2018 oder 2019 beginnen könnten.

Der geplante  Frack in rund 4000 Metern Tiefe in einer Sandsteinschicht wird möglicherweise der erste in Deutschland auf Basis des neuen Gesetzes sein. Fracking ist wegen des Einsatzes von Chemikalien und Umwelt- und Gesundheitsbedenken umstritten.

Probleme bei Nordstream 2

Einen  Rückschlag erlitt Wintershall bei dem politisch umstrittenen Pipeline-Projekt Nordstream 2. Die Kasseler wollten sich and der zweiten  Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland mit einem Minderheitsanteil beteiligen wie zuvor bereits an Nordstream 1 mit  zehn Prozent. Nordstream wird von Gazprom dominiert. Wintershalls Beteiligung an der zweiten Pipeline scheiterte am Einspruch des Ostsee-Anrainers Polen. „Polen versucht, Nordstream 2 zu torpedieren“, sagte Mehren. Nun suche man gemeinsam mit Gazprom nach einer anderen Möglichkeit, das Projekt zu unterstützen. Die Wintershall-Mutter BASF führt darüber offenbar gerade Gespräche mit dem russischen Staatskonzern.

Polen und die baltischen Staaten sind gegen Nordstream 2. Sie befürchten, dass Russland die Pipeline politisch als Druckmittel gegen sie einsetzt, weil sich Gazprom mit der Leitung vom Gastransit durch die Ukraine und durch ihre Territorien unabhängig machen kann.


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