Cebit 2017 in Hannover Wie das Internet der Dinge das Bienensterben aufhalten könnte

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Japans Premierminister Shinzo Abe lassen sich den digitalisierten Bienenstock am Stand der Deutschen Telekom erklären. Foto: imago/localpicDie deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Japans Premierminister Shinzo Abe lassen sich den digitalisierten Bienenstock am Stand der Deutschen Telekom erklären. Foto: imago/localpic

Hannover. Das Internet der Dinge hat es durch die Unterhaltungselektronik längst in die heimischen Wohnzimmer geschafft. Auf der Cebit 2017 präsentieren Aussteller nun neue Ideen, die über intelligente Fernseher oder Uhren hinaus gehen.

Dass das Aussterben von Bienenvölkern einmal auf der IT-Fachmesse Cebit ein Thema sein würde, hätte man so nicht erwarten können. Doch die Telekom präsentiert in Hannover neue Techniken, die Imker beim Schutz ihrer Bienenvölker unterstützen sollen. Sie nutzt dazu das Internet der Dinge, also die intelligente Vernetzung von Gegenständen, die per Internet kommunizieren und so verschiedene Aufgaben für ihren Besitzer erledigen.

Mit Technik gegen Artensterben

Die Idee der Telekom: Funksensoren in den Bienenstöcken sammeln wichtige Daten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Gewicht. Eine App für Smartphone oder Tablet gibt dann Aufschluss über den Füllstand der Waben, die Aktivität der Bienen und ob die die Tiere gesund sind oder nicht.

Die Digitalisierung könne einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung leisten, meint die Telekom. Sie beschreibt den Bienenstock als „die kleinste Industrieanlage der Welt mit 40.000 Mitarbeitern auf einem halben Quadratmeter“.

Im Alltag angekommen

Das Projekt der Telekom ist eine Weiterentwicklung des Internets der Dinge, das für viele Bundesbürger längst zum Alltag gehört. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom haben bereits jetzt viele Nutzer ihr Mobiltelefon mit anderen Alltagsgegenständen vernetzt, etwa mit dem Auto (36 Prozent), mit einer Smartwatch (19 Prozent) oder mit Audio-Geräten (15 Prozent). Darüber hinaus können sich laut Bitkom 46 Prozent der Befragten in Deutschland vorstellen, mit dem Smartphone künftig Haushaltsgeräte beziehungsweise die Haustechnik zu steuern und das eigene Haus so zu einem klugen Haus (Smart Home) zu machen.

Urban Software: Die kluge Stadt

Der Softwareentwickler Urban Software Institute denkt größer. Aus Smart Home machen die Entwickler eine Smart City. Das Programm „Urban Pulse“ sammelt Daten aus Parkautomaten, Ampeln oder von Kameras aus öffentlichen Einrichtungen und der Verkehrsüberwachung. Daraus lassen sich in Echtzeit eine dynamische Ampelschaltung entwickeln oder eine auf den Nutzer zugeschnittene Routenplanung.

Sophos: Einladungen für Kriminelle

Dass dabei aber auch Sicherheitsbedenken aufkommen, wissen die Sicherheitsspezialisten von Sophos. Denn das vernetzte Zuhause kann schnell zum Einstiegstor für Hacker und Kriminelle werden. An dem Modell eines Smart Home demonstriert der IT-Sicherheitsspezialist  Sophos  auf der CeBIT, welchen Gefahren die Vernetzung von Alltagsgegenständen birgt. „Wir gehen davon aus, dass ein ganzes Haus mit unterschiedlichsten Smart-Komponenten sehr schnell und häufig angegriffen wird“, sagte Michael Veit, Sicherheitsspezialist bei Sophos.

Das Modell ist mit handelsüblichen Steuerungssystemen des Internets der Dinge ausgestattet. Komponenten wie Licht, Heizung, Alarmanlage oder Überwachungskameras sind mit dem Netz verbunden. Sobald man Informationen verschickt, könnten sie aber auch abgefangen werden, sagte Marco Di Filippo, Sicherheitsexperte beim Sophos-Partner Koramis. Zudem könnten Angreifer über den gleichen Weg auf die Systeme zugreifen, wenn diese nicht davor geschützt seien.

Es fehlen Standards

Bei der Sicherheit im Smart Home seien sowohl Hersteller, Zulieferer von Komponenten wie auch die Nutzer selbst gefragt, sagte Di Filippo. Oft fehle es noch an einfachen Standards. So sei es bei manchen Anwendungen möglich, sie mit einem einfachen Standard-Passwort zu sichern. Das reiche aber in der Regel bei Weitem nicht aus.

Auf der CeBIT (bis zum 24. März) können Besucher am Stand von Sophos auf einer Schautafel live mitverfolgen, welche Angriffe gerade stattfinden. Der sogenannte Honeypot, der unsichere Systeme vortäuscht und damit Angreifer anlocken soll, werde über mehrere Wochen online bleiben, hieß es. Am Ende des Projekts sollen Art, Häufigkeit, Herkunft und Qualität der Angriffe ausgewertet und in einem White Paper veröffentlicht werden.


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